• Registrieren
  • ‎Was ist Shvoong?‎
  • Anmelden
    Anmelden
    Benutzernamen speichern Passwort vergessen?

Das Wissen der Menschheit auf Shvoong zusammenfassen

.

Startseite von Shvoong> Bücher>Paulus. Das Trauma von Stalingrad. Eine Biografie, Paderborn u.a. 2008

.

Paulus. Das Trauma von Stalingrad. Eine Biografie, Paderborn u.a. 2008

von : Egmont    

Autor : Torsten Diedrich
Torsten Diedrich, Paulus. Das Trauma von Stalingrad. Eine Biographie, Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn, München, Wien,
Zürich, 2008, 579 Seiten, 39, 90 Euro.
            Zivilcourage und Gehorsam. Das Drama namens Stalingrad
                                            von Rolf Helfert 

 Lange Kolonnen abgezehrter Gestalten gingen hoffnungslos in sibirische Ge­fangenschaft. 250 000 deutsche Soldaten waren im Spätsommer 1942 nach Stalingrad vorgedrungen; nur 6000 kehrten zurück.
„Ich stehe hier auf Befehl“, sagte Friedrich Paulus, Kommandeur der 6. Armee, die Eises­kälte, Krankheit und Hunger zum Opfer fiel. Paulus befolgte Hitlers unsin­nige Weisungen;  eine der größten Katastrophen der Geschichte nahm ihren Lauf.
„Stalingrad“ symbolisiert eine Wehrmacht, die unterging, weil sie sich freiwillig dem NS-Regime beugte. Am Beispiel des Friedrich Paulus, der die Mentalität „einer ganzen Offiziers­ge­neration“ verkörperte, erklärt Torsten Diedrich, warum fast kein deutscher General davor zurück­schreckte, den Diensteid über das Gewissen zu stellen. Diese erste Paulus-Biogra­fie themati­siert Verantwortung und Zivilcourage.
Der 1890 nahe Kassel geborene Beamtensohn ergriff die militärische Laufbahn. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er in Truppenstäben und diente nach 1918 in der Reichswehr. „Kon­servativ-unpoli­tisch“ gesinnt, war er verschwiegen, kaum angreifbar, loyal und karrieresüch­tig. Obwohl Paulus nicht der nati­onal­sozialistischen Ideologie anhing, ignorierte er im Dritten Reich jegliche Verantwortung.   
Als „Oberquartiermeister I“ plante der agile Offizier das „Un­terneh­men Barba­rossa“. Russ­land, glaubte Paulus, sei ein „tönerner Koloss“. Logistische Engpässe verschwieg er Hitler, der keine Nörgler duldete. „Wer reüssieren wollte, musste ge­nau die gleiche Wendig­keit be­weisen, wie sie auch heute noch im Berufsle­ben er­forderlich ist“.  
Ende 1941 scheiterte der Russlandfeldzug vor Moskau. Obwohl Hitler die Re­alität der Front missachtete, unterstützte ihn Paulus. Hoepner, Guderian und Ritter von Leeb, die Truppen „eigen­mächtig“ zurücknahmen, be­wiesen, dass man anders handeln konnte.    
Hitler erwog, Paulus zum Chef des OKW zu ernennen. Vorher sollte er Stalingrad erobern; seit Januar 1942 kommandierte Paulus die 6. Armee. Jedoch  zersplitterte der dop­pelte Offen­sivstoß in den Kaukasus und zur Wolga das deutsche Potential.
Der Vormarsch durch Südrussland entblößte die Flanken der 6. Armee und ermöglichte eine sowjetische Gegenoffensive. Öffentlich hatte Hitler verkündet, dass Stalin­grad bereits erobert sei.  Daher dachte er nicht daran, entgegen jeder strategischen Vernunft, besetztes Territorium zu räumen.
 Wegen des Prestiges opferte Hitler die 6. Armee. Immerhin for­derte Paulus den Rückzug aus Stalingrad, zerbrach aber an seiner Hamlet-Natur. „Gehorsam und Karriere­streben la­gen im Wi­derstreit mit Paulus´ innersten Überzeugungen“. Ihm fehlten Entschlos­senheit und Ro­bustheit. Weil Hitler die Kapitulation verbot, hielt er Stalingrad „bis zum Äu­ßersten“, ob­wohl Görings Luftwaffe die abgeschnittenen Soldaten nicht versorgen konnte.
Ein Rückzug, der gegen Hitlers Willen stattfand, musste revolutionä­ren Spreng­stoff frei­set­zen. Paulus` „klein­bürger­liche Erziehung“ habe das Opponieren unmöglich gemacht.  
Fachkompetenz und politische Urteilskraft zu trennen, entspricht deutscher Denkweise, die fast alle Generäle kennzeichnete.  
Sobald er Deutschlands Niederlage nicht mehr bezweifelte, stärkte Paulus 1944/45 die Rei­hen des sowjet­hörigen „Bundes Deutscher Offiziere“. In Stalingrad, meinte der Gebro­chene, habe er falsch gehandelt.   
Nur die Doktrin änderte Paulus. Am 30. Januar 1943, um­ringt von Lei­chenbergen, hatte er an Hitler gefunkt: „Noch weht die Ha­kenkreuzfahne über Stalin­grad. Unser Kampf möge den lebenden und kommenden Generati­onen ein Beispiel da­für sein, auch in der hoffnungsloses­ten Lage nie zu kapitulieren, dann wird Deutschland sie­gen. Heil mein Führer! Paulus“. 1949 gratulierte der gleiche Mann schriftlich Stalin zu dessen 70. Ge­burtstag.
Erst im Oktober 1953 entließ Stalin seinen prominentesten Häftling, der fortan in Dresden lebte, wo er eine große Villa bezog, ein Westauto erhielt und Maßanzüge trug. Für die Hoch­schule der „Kasernierten Volkspolizei“ schrieb er militärhisto­rische Studien.
1954/55 agitierte Paulus, beauftragt seitens der KVP, gegen den westdeutschen Nato-Beitritt. Ein neutrales Gesamtdeutschland sollte entstehen. Nationale Einheit und freie Wahlen hätten das Ende der DDR bedeutet. Ob Paulus diese Konse­quenz erkannte, weiß niemand.   
Diedrich fand ein bemerkenswertes Dokument, welches nahe legt, dass Pau­lus sogar die Niederschlagung der Aufständischen des 17. Juni 1953 gut hieß! Stasi-Agenten  notier­ten: „Die Einstellung von Paulus zur Politik der DDR ist positiv“. Freunde und Ver­wandte in Westdeutschland hoffe er „vom Marxismus-Leninismus zu überzeu­gen“. An­derer­seits wirkt der Paulus der 50er Jahre rätselhaft und verschlossen wie eine Sphinx; letzte In­tentionen gab er nicht preis.
Veröffentlicht am: Oktober 13, 2009
Diese Zusammenfassung bewerten : 1 2 3 4 5

Bookmark & share this post

Leser dieser Zusammenfassung haben auch die folgenden Zusammenfassungen gelesen:

.