Joseph
Kardinal Ratzinger war Professor für katholische Theologie in Freising, Bonn, Münster, Tübingen und Regensburg. Als ein hoher Würdenträger der katholischen Kirche lässt er den geneigten Leser an seinen inneren Antriebskräften teilhaben, denen er sein Wirken im Dienst der Kirche verdankt. Seine Kindheit war geprägt von braunen Verführern und ausgeprägten Entbehrungen. Er beschreibt diese Erfahrungen und Erlebnisse selbstkritisch und uneitel. Dabei verschweigt er auch nicht persönliche Durststrecken.
Als ein Mensch, der nie besonders ehrgeizig gewesen sein soll, hat er zweifelsohne kirchliche Karriere gemacht. Ob als Dozent, Professor oder Kardinal, er war immer der Jüngste in diesen Positionen. Lediglich bei seiner Bestimmung
zum Stellvertreter Christi auf Erden war er plötzlich der Älteste auf dem Stuhl Petri, jedenfalls seit 250 Jahren.
Mit der Gabe des einfühlsamen und gleichzeitig distanzierten Erzählens beschreibt er die geistigen Auseinandersetzungen mit Weggefährten aus seinem
kirchlichen Leben. In jeder dieser Debatten um eine theologische Neubesinnung war und ist er immer an der Wahrheit und an der Sache orientiert geblieben und nicht persönlich verletzend geworden.
Mit der Leitung der Glaubenskongregation in Rom, der zentralen Instanz für die Interpretation und die Verteidigung der kirchlichen Lehre, gehörte der brillante Theologe rasch zu den anerkanntesten Persönlichkeiten im Vatikan.
Unter seiner Federführung erschien unter anderem der neue Weltkatechismus. In dieser Funktion stellte er in vielen Fragen und Bereichen der Glaubens- und Sittenlehre dar, was
Lehre der Kirche ist und wo die Grenzen liegen. Vor allem aus Deutschland erntete er für manche vatikanische Verlautbarung persönliche Anfeindungen. Zum Sündenbock auserkoren, lud man alles Unangenehme auf ihn ab. In dieser Zeit entstanden die ihm vorauseilenden Bezeichnungen des „Panzerkardinals“ und des „Großinquisitors“. Beschäftigt man sich etwas näher mit dem obersten Lehrer des Glaubens, so findet man keines der bekannten Vorurteile bestätigt.
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