Nicht oft findet man einen Roman, der so perfekt strukturiert ist, wie Emily Brontës Sturmhöhe. Der Roman ist durch geschickte
Verwendung von Rahmenhandlungen perfekt ausbalanciert: Nelly Dean und Lockwood erzählen, und ihre Schilderungen sind geprägt von ihrer eigenen Verwicklung in die Ereignisse und ihrer Persönlichkeit.
Selten hat ein Autor derart interessante Persönlichkeiten als Erzähler gewählt, deren Beteiligung an dem Geschehen ebenso wichtig ist, wie die enigmatischen Charaktere von Heathcliff und Catherine selbst.
Von Anfang bis Ende besticht der Roman durch seine temporeiche Handlung, hält sich niemals unnötig mit übertriebenen Sentimentalitäten auf oder wird gar rührselig. Die große Liebe zwischen Heathcliff und Catherine wird wunderschön geschildert und vermittelt das Gefühl einer Vereinigung, die über das Physische und sogar über den Tod hinausgeht.
Beim Lesen dieses Romans ist es wichtig, das Gespenstische zu würdigen und zu sehen, wie Brontë es einsetzt, um eine unheimliche Atmosphäre zu schaffen. Das Moor als Schauplatz der Geschichte ist ein Widerhall aus Brontës eigener Kindheit und versetzt das Geschehen in eine überwiegend trostlose Stimmung. Die geisterhaften Erscheinungen in der unheimlichen Villa der Earnshaws werden in Vermenschlichungen der umliegenden Moorlandschaft gespiegelt, ohne dabei jedoch überzogen zu werden.
Dieser Roman ist verdientermaßen ein Klassiker und eine fesselnde Lektüre, die beim Leser einen bleibenden Eindruck hinterlässt, der ihn noch lange nachdem er die letzte Seite gelesen hat, verfolgt. Brontë versteht es geschickt, Rätsel und Intrige um ihre Figuren zu spinnen und lässt ihr Meisterwerk niemals in abgestandene Gewässer düsterer Schwermut gleiten; das Ende ist inspirierend und trägt dazu bei, den Roman unvergesslich zu machen.