Roswitha Quadflieg
Beckett was here
Hamburg im Tagebuch Samuel Becketts von 1936
ISBN 3-455-09541-8
1989 finden Samuel Becketts Erben in dessen Nachlass die bis Dato unbekannten Reisetagebücher des Schriftstellers. Darunter auch ausführliche Berichte über Becketts neunwöchigen Aufenthalt in Hamburg 1936. Man hat sie als Grundlage genommen und sich auf die Suche nach Hinterlassenschaften bei den Personen gemacht, die in Tagebüchern genannt werden. Viele, die Beckett 1936 kennen gelernt haben, wussten zu der Zeit nicht, das der Irische Besucher einmal zu gewissem Ruhm kommen würde, trotzdem hat die Autorin Roswitha Quadflieg bei einigen noch Zeugnisse wie Postkarten oder Fotos finden können. Roswitha Quadflieg, die selber in Hamburg Kunst studierte, orientiert sich chronologisch an den Erlebnissen in den Aufzeichnungen, schreibt aber in eigenen Worten und ergänzt Ihre Texte mit Zitaten und Anmerkungen. Dazu gibt es viele Querverweise und Anmerkungen zu den damaligen Gesellschaftlichen und politischen Umständen. Zwar unterliegt das Buch der subjektiven Interpretationen der Autorin, ist dafür aber mit einer Fülle von Informationen versehen, die in den reinen Beckett-Schriften sicher
nicht gestanden haben können. So etwa Informationen zur Stadt, zur Politik jener Jahre und vor Allem über die im Buch erwähnten Bekanntschaften Becketts. Denn insbesondere die Kunstszene der Hansestadt am Vorabend des zweiten Weltkrieges hat es Beckett angetan, unzählige Male besucht er Ausstellungen in Museen, Galerien und bei privaten Besuchen von Künstlern und Sammlern. Noch befinden sich viele der Künstler, der sich im Jahr 1933 aufgelösten Vereinigung „Hamburger Schule“ in der Stadt, darunter jüdische Künstler, wie Gretchen Wohlwill, deren Werke bereits als „Entartet“ gelten und nicht mehr ausgestellt oder verkauft werden dürfen.
Beckett gibt Auskunft über kulinarische Erlebnisse, Beschreibt seine Streifzüge durch die Strassen der Stadt, deren Stadtteil Altona zu der Zeit noch zu Dänemark gehörte, und immer wieder erfahren wir, was Beckett von der Kunst hält, deren er ansichtig wird. Und er ist durchaus nicht immer begeistert.
Jeder Tag ist ein neues Kapitel mit Datum und Haupttätigkeit oder Aufenthaltsort in der Überschrift. Zitate, Fließtext und Anmerkungen sind in unterschiedlichen Schriften und Stärken voneinander abgesetzt und in vielen Abschnitten voneinander Getrennt. Das macht das Lesen auf den ersten Blick etwas anstrengend und unübersichtlich, stört aber spätestens ab Seite drei nicht mehr. Abgerundet wird das Buch mit einem Überblick über die Hamburger Kunstszene in der NS-Zeit, einer Auflistung aller Autoren und Bücher, die Beckett in seinem Tagebuch erwähnt, einer Zeittafel und einem kurzen Abriss über die Autorin Roswitha Quadflieg.
Erschienen 2006 bei Hoffmann und Campe
Mehr Rezensionen über Beckett was here