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Sternstunden der Menschheit

Summary rating: 5 stars 1 Kritik
Autor : Stefan Zweig
Review by : nanouk
Besucher : 135  Wörter: 600   Veröffentlicht am: Januar 05, 2008
Zürich, 15.
März 1917. In den frühen Morgenstunden macht sich ein kleiner Trupp von 32
russischen Exilanten auf den Weg zum Bahnhof. Dort wartet schon ein Zug mit
einem besonders präparierten Waggon: Sobald die russischen Reisenden ihr Abteil
betreten haben wird ihr Waggon verplombt. Auf dem Boden im Inneren wird mit
Kreide eine weiße Linie gezeichnet als Merkmal zur Abtrennung des Abteils von
den Übrigen. Für die gesamte Zeit der Reise ist Abgemacht und Ausgehandelt,
dass dieses spezielle Abteil exterritoriales Gebiet ist, kein Reisender von
beiden Seiten darf die Schwelle übertreten, innerhalb der Linie dürfen keine
Kontrollen durchgeführt werden.

Unter den
russischen Exilanten, die am diesem 15. März die Reise von Zürich über
Deutschland und Schweden, Finnland nach Russland reisen ist ein kleiner,
unauffälliger Mann, der nach seiner Ankunft in Russland innerhalb von nur
sieben Jahren die Weichen der Weltgeschichte nach seinen Gunsten neu stellen
wird. Sein Name ist Wladimir Iljitsch Lenin und er hat 14 Jahre im Schweitzer
Exil nur auf diese eine Gelegenheit gewartet. 


 

Stefan
Zweig erzählt in seiner unnachahmlichen Sprache 14 welthistorische
Begebenheiten. Bei der Auswahl seiner Themen hat er jedoch weniger auf die
Berühmtheit und Bekanntheit seiner Geschichten geachtet, als auf die
einzigartige Besonderheit, dass jede Erzählung den Moment beschreibt, in dem
das, was sich daraufhin ereignet und der Menschheit im Gedächtnis bleibt,
passiert. So beschreibt er nicht die Gräueltaten des uns allen bekannten
Lenins, sondern die unmittelbar vor seiner Machtergreifung liegende,
dramatische Flucht aus der Schweiz.

Zweig nimmt
sich nicht die großen, für alle Beteiligten und Zeitgenossen erkennbaren
Umbrüche in der Geschichte vor, sondern den „Point of no return“, den Moment,
in dem eine Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist, auch wenn die Tragweite der
Geschehnisse für die Beteiligten noch nicht erfassbar sind. So beschreibt er in
„Die Entdeckung El Dorados“ das Schicksal des Auswanderers Johan August Suter,
der 1834 nach Amerika auswandert, reich wird, Grundbesitzer wird und binnen
weniger Tage alles verliert. Was sein war wurde was heute jeder kennt: San
Franzisco. In Zweigs 14 Miniaturen der Weltgeschichte schmuggelt sich ein
gewisser Vasco Nunez de Balboa in einer Proviantkiste von Land um wenig später
– ungewollt – als erster Europäer die Pazifikküste Amerikas zu entdecken, blüht
ein gealterter Goethe ein letztes Mal zu Höchstform auf um eines seiner mächtigsten
Gedichte zu verfassen und entscheidet eine Minute über Sieg und Niederlage bei
Waterloo.
„Immer
müssen Millionen müßiger Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische,
eine Sternstunde der Menschheit, in Erscheinung tritt“ - Stefan Zweig

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