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Hitler's Steilvorlage - Aufstand der Massen

Summary rating: 4 stars 2 Kritik
Autor : Ortega Y Gasset
Zusammenfassung von : Montgomery21
Besucher : 14  Wörter: 600   Veröffentlicht am: April 24, 2008

Aus der Summe der Erfahrungen eines teilnehmenden Beobachters mit aufkeimenden, totalitären Bewegungen seiner Zeit (Stalinismus, Faschismus und Nationalsozialismus), veröffentlichte der Autor 1930 eines der epochalen Bücher des 20. Jahrhunderts. Eben dieses Werk machte ihn weit über esoterische Kreise hinaus berühmt und gelesen, weil seine Gedanken eine packende und volkstümliche Darstellung gefunden hatten.



Auf den zugrunde liegenden Seiten entwickelt und schildert der Autor einen bestimmten Typus des europäischen Menschen, dem das Erlebnis der Unterordnung, des Dienst- und Pflichtbewusstseins gänzlich fehlt. Der so umschriebene „Massenmensch“ will keine Normvorstellung seiner Zeit anerkennen. Damit repräsentiert er noch keine neue Form der Zivilisation, die mit der alten im Kampf liegt, sondern nur eine bescheidene, zugleich mächtige und gewaltbereite Gegenbewegung. Diese vorbehaltlose Zuwendung dieser glänzenden, aber wurzellosen Geisteshaltung bildet den Nährboden für die Selbstzerstörung der Demokratie, vor allem in dem vom Autor so geschätzten Deutschland.

Schon 1930 war das heraufziehende Unheil in Deutschland und Europa für den Autor zu erahnen, weshalb sein Werk als eine der großen und bleibenden Diagnosen zu werten ist und nicht als eine Prophezeiung vom Glanz und Untergang industrieller Zivilisationen.

Er diagnostiziert die Verwerfungen der Zeit nicht aus der Krise, in Deutschland, sondern an der Peripherie Europas, von Spanien aus im Blick auf die Mitte. Im Gegensatz zu deutschen Philosophen und Gelehrten konnte er sich diesem Fall weniger systematisch und dafür lebensnäher, weniger verschlüsselt und daher mit mehr Wirkung widmen. In dieser Lage, von der Spanien nicht ausgenommen war, formulierte er seine Kritik am Europa des Massenzeitalters. Er begreift die Gefahr der ungegliederten Massengesellschaft und ihre totalitären Versuchungen.

Seine Idee der Aristokratie, welche die Emanzipation der Massen und ihre Einbindung in die Republik durch Freiheit und Verantwortung verbinden sollte, wurde von Nationalsozialisten und Faschisten vorsätzlich missverstanden, nämlich als etwas von einem Herrenclub an sich und einem Zähmungskonzept. Nicht die Anzahl der Sympathisanten von totalitären Bewegungen und Tendenzen sieht der Autor als gefährlich an, sondern deren Trägheit. Dadurch werden sie leichte Beute von Demagogen und Menschenfischern im negativen Sinne.

Schon damals bewies der Autor Mut zu liberaler Parlamentspolitik und europäischer Integrationspolitik. Mit diesen frühen Ansichten aber war er im Europa der 20iger Jahre sehr alleine.


Alles in allem ist das Werk zwar datiert, aber alles andere als überholt und veraltet. Datiert, indem es Tendenzen der Politik und der Gesellschaft im Europa von 1930 erfasst. Aktuell, denn innere Gefahren der Massendemokratie sind geblieben, Nationalstaaten haben eine unerwartete Renaissance erfahren, und die europäische Integration ist die große Aufgabe geblieben.




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