An Noskes "Bastard von Berg" scheiden sich die
Geister. Der Klappentext lobt den Roman als "historischen Krimi von
Format: ein liebenswerter Held, sprachliche Brillanz, Hochspannung, eine
Liebesgeschichte und eine gehörige Portion Humor". Vorweg: Dem ist nur mit
Abstrichen so – deshalb vielleicht auch die unterschiedlichen Stimmen
zum Buch,
die etwa bei den Amazon-Kundenrezensionen von "ohne Spannung" bis
"ein Lesegenuss sondersgleichen" reichen.
Die Handlung spielt in den Jahren 1225 bis 1227. Die Welt
des 17-jährigen Müllerjungen Martin gerät aus den Fugen, als sein
vermeintlicher Vater, der Müller, ermordet wird. Er wird daraufhin in das
Gefolge von Engelbert, seines Zeichens Graf von Berg und Erzbischof von Köln, aufgenommen,
der wie man sich unschwer denken kann, sein leiblicher Vater ist. Engelbert
gerät sowohl unter den Beschuss regionaler Feinde als auch ins Fadenkreuz der
katholischen Kirche – denn, wie könnte es anders sein (der da-Vinci-Code lässt
grüßen), er ist ein Nachkomme von Jesus Christus und soll dem Erhalt der Kirche
zum Opfer
fallen. Der intrigante Kardinal hinter dem senilen Papst weiß aber
nicht, dass erst Martin und seine Kinder das Ende der Erbfolge sind. Eine
schwierige Liebesgeschichte komplettiert die Zutaten für den
Mittelalter-Krimi-Bestseller.
Na, alles verstanden? Ein bisschen viel Handlung für einen
Krimi? Genau das ist das Problem des Romans, der sich über mehr als 400 Seiten
erstreckt. Handlungsstränge werden ohne Not aufgenommen und wieder fallen
gelassen. Die zweite Haupthandlung – der gedungene Mörder auf seiner Rundreise
in Europa und der Papsthof – ist auch schneller durchschaut als wahrscheinlich
vom Autor gewünscht.
Während sich das Buch einigermaßen flüssig liest und der
Leser sich eigentlich erst gegen Ende über die hanebüchene Story ärgert, ist
von der vom Verlag versprochenen "sprachlichen Brillanz" nicht viel
zu spüren. Das beginnt schon beim Titel. Nur den wenigsten dürfte geläufig
sein, dass "von Berg" ein Adelstitel ist, "Der Bastard von
Berg" ist für mich unglücklich gewählt, blieb allerdings genau wegen
dieser Holprigkeit ständig in meinem Hinterkopf. Für die sprachliche
Unvollkommenheit ein Beispiel direkt aus dem Buch: "Eins war Martin klar:
Wenn die beiden ihn finden würden, würden sie Hackfleisch aus ihm machen".
Der Großteil der Metaphern liest sich wie folgt: "...sagte Martin mit
einer Begeisterung, als sei ihm ein Tässchen Fischöl angeboten worden".
Über Humor lässt sich ja bekanntlich streiten, aber mich hat das Buch selten
zum Lachen angeregt.
Fazit:
Das Buch ist schnell gelesen und bietet ob der ständigen Wechsel der
Handlungsorte auch eine gewisse Spannung. Die Story ist aber völlig überladen
und zum Schluss auch sehr unglaubwürdig. Ein echter Mittelalter-Krimi-Fan
sollte sich den Gang in den Buchladen sparen. Mehr Rezensionen auf www.eliterator.de.
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