Die
Gesellschaft ist ein ständiger Gegenstand der Analyse. Die verschiedenen
Autoren und Publizisten heben vor, dass die Gesellschaft sich in einer Krise
befindet. Die angesprochene Krise solle vor allem die christlichen Werte
betreffen. Daher warnen die kirchliche Kreise vor weitgehenden wertorientierten
Änderungen. Aber die Änderungen folgen entgegen der Wünschen einzelnen.
Man versucht also, die Phänomene zu analysieren oder mindestens zu beschreiben.
Die Stichworte wie Postmoderne, Spaßgesellschaft,
Erlebnisgesellschaft oder Klassengesellschaft spiegeln nicht die tatsächliche
Lage wider. Die Wirklichkeit der Gesellschaft ist viel reicher. Sie ist als
eine dynamische Größe zu verstehen. Eine Gesellschaft kann man nur dann
treffend definieren, wenn man
im Auge hat, dass sie sich in einem Prozess
befindet und nicht eine fertige Gegebenheit ist.
Den
Autoren des vorliegenden Buches „Neue Werte,
Neue Wünsche“ sind diese Phänomen
bewusst. Die Zukunftsforscher aus den Bereichen der Soziologie, der
Sozialpsychologie, des Marketing und der Konsumforschung greifen die
Problematik der Veränderungen in der Grundorientierung der Menschen.
Deshalb ist die Analyse treffender und interessanter. Aus dieser Perspektive
wird ein
Blick in die Zukunft geworfen. Was wird aus der heutigen Gesellschaft in
zwanzig, vierzig, sechzig Jahren sein? Die Frage ist spannend. Die Antworten
auch! Natürlich ist das Risiko solcher Prophezeiungen groß. Die Realität kann
in zwanzig Jahren ganz anders aussehen, als man
heute vermutet.
Es ist
unmöglich, die Zukunft haargenau vorauszusagen. Die Rede von Zukunft kann
entweder eine Apokalypse ankündigen oder eine Phantasie werden. Beide,
Phantasie und apokalyptische Szenarios, dienen mysteriösen Zwecken und können
sehr schnell eigene gefährlichen Anhänger finden. Aber man kann auch über die
ferne Zukunft realistisch sprechen, was jedoch selten gelingt.
Die Griechen, wenn sie etwas von
Kommenden erfahren wollten, mussten zum Orakel von Delphie reisen. Die
Anliegen, die der Stellvertreterin Pythia - die heilige Priesterin des Orakels
- dargestellt wurden, umfassten alle Lebens- und Entscheidungsbereiche. Man
fragte nach Ernten im nächsten Jahr, nach der Wahl eines Lebenspartners oder
Partnerin, aber auch nach Frieden und Krieg im Polis. Bei Anfragen, die
zukünftige politische Ereignisse betrafen, nahm Delphi Zuflucht zu gewollt
dunklen oder zweideutigen Formulierungen. Deshalb ist
es auch ungewiss, ob die Antworten auf das Leben einen Einfluss hatten. Hier
können wir uns eher zu Vermutungen beschränken.
Heute
wird die sogenannte Delphi-Methode in der Wissenschaft eingesetzt. Der Begriff
„Delphi-Methode“ bezeichnet eine Form der Expertenprognose, die basierend auf
gegenwärtigen Daten, Statistiken und Analysen versucht, ein Bild vom Morgen zu
geben. Es geht nicht darum, die Trends vorauszusagen und eine Richtung z. B. in
der Autobranche zu bestimmen, sondern eine komplexe und mehrsichtige Studie
über die Zukunft und die künftige Lebens- und Orientierungsform zu erstatten.
Sie soll uns bei der Wandlung der Gesellschaft behilflich sein, die
Konsequenzen und Gefahren von Morgen wahrzunehmen und entsprechend schon heute
zu handeln.
Zentrale
Dimensionen der Zukunftsforschung befassen sich mit der Struktur der
Gesellschaft und Kultur. Der gesellschaftliche Wandel betrifft vor allem die
traditionellen Werte. In der Zeit der Globalisierung, die eine
Universalisierung bedeutet, ändern sich Lebens-, Konsum, Bildungs- und
Denkensgewohnheiten. Die postindustrielle Gesellschaft oder besser Wissens- und
Informationsgesellschaft („sage mir, welche Informationen du abrufst, und ich
sage dir, wer du bist“) befindet sich in der kontinuierlichen Transformation
und Spannung. Der Umbruch hat Konsequenzen nicht nur in der Welt der großen
Politik, sondern ist für jeden spürbar. Die alten Prinzipien scheinen keinen
Wert mehr an sich zu haben. Aber das bedeutet nicht,dass ein Prinzip der
Prinzipienlosigkeit herrscht. Die Gesellschaft erfindet neue Werte oder, was
auch ein Fall ist, „die alte Werte“ werden neue entdeckt. Deshalb hat der
Wandel einen kontinuierlichen Charakter und ein gewisses Novum. „Heute nach der
Phase „entweder-oder“ gilt als eine Norm, „sowohl-als-auch“. Es scheint, dass
die Gegensätze zu vereinbaren sind, deshalb versucht man vor allem aus zwei
verschiedenen Polen einen gemeinsamen Nutzen gewinnen“. Traditionelle Werte
treten in den Vordergrund. Menschen wird angeboten, ihre eigene Werte zu
entwickeln, die alten neu zu definieren oder das ganze Wertesystem zu
etablieren. Geschlechterrollen, Familienkonstellationen, Konsummuster, Karrierenverläufe
sind unbestimmt. „Patchwork-Identitäten“, Patchwork-Familien und Patschwork-Lebensläufe sind
selbstverständliche Gegebenheiten.
Das Buch wurde in zwei Teile
gegliedert. Im ersten Teil wird die wissenschaftliche Methode beleuchtet und die
Grundprobleme besprochen. Dieser Teil ist vor allem als eine Einführung
gedacht, die das Bild der gegenwärtigen Gesellschaft widerspiegelt.
Der zweite Teil behandelt die
Problematik der einzelnen Bereiche: Mensch und seine Wahlmöglichkeiten, Kultur,
Medien, Konsum, Religion, Bildung, Arbeit, Politik und Funktion der Parteien,
Freizeit, Touristik und Sport. Dadurch gewinnt die Studie einen ausführlichen
Charakter und bietet einen Blick in die Ferne an,
wobei man vor allem die heutige Gesellschaft und ihre Trends zu Spüren
bekommt.
Darüber hinaus ist hier zu
erwähnen, dass das Buch sehr gut mit graphischer Übersicht illustriert ist. Sie
ermöglicht sehr schnell eine Einsicht zu den wichtigsten Ergebnissen der
vorliegenden Studien.
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