Der Geheim-Polizist Ludwig Tallhover,
schon von Natur aus ein sehr einfältiger Zeitgenosse, bespitzelt über
mehr
als ein Jahrhundert hinweg die Gegner der verschiedenen
Deutschen Regime.
Als unbeding Obrikeitsliebender Mensch,
kann er, ohne mit sich selbst in Konflikt zu kommen, die Pioniere des
Sozialismus und Kommunismus für den preussischen König und
den Deutschen Kaiser, die Regimegegner für die NS Diktatur und
die „Feinde des Sozialismus“ für die Deutschen
Demokratischen Republik bespitzeln und verfolgen. Tallhover bleibt
dabei nur einer Aufgabe treu: Den Staat vor Aufständischen zu
schützen.
Zentraler Punkt des Romans ist die
Reise Lenins nach Russland. Tallhover versucht bis zu letzt die
Personen zur Verantwortung zu ziehen, die Lenin den freien Weg durch
Deutschland ermöglicht hatten. Auch wenn Lenins Reise im
Endeffekt Deutschland hätte dienen sollen im ersten Weltkrieg
Vorteile aus eine Revolution in Russland zu ziehen, sieht der
einfältige Tallhover nur den Staatsfeind und die kriminelle
Verwerflichkeit Lenins revolutionäre Aktivitäten zu
unterstützen.
Am Ende scheitert Tallhover an der
Grösse seiner Aufgabe. Zuviele Verdächtige blieben
unbehelligt, zu viele Schuldige konnten nicht verhaftet werden.
Tallhover hat versagt und zieht daraus die letzte Konsequenz: Er
verurteilt sich, im Alter von 136 Jahren, selbst zu Tode.
Schädlichs klar und streng
chronologisch aufgebauter
Roman führt den Leser durch die
komplexen und verwirrenden historischen Ereignise des 19. und 20.
Jahrhunderts. Dabei steht niemals das jeweilige politische System im
Vordergrund, sondern immer der blinde Gehorsam Tallhovers. Dabei wird
sichtbar wie ähnlich die Mechanismen der
politischen Polizei und
Geheimdienste aller politischen Systeme sind.
Die Sprache Schädlichs ist
nüchtern, fast bürokratisch, zeitlos und satirisch. Auf
halben Weg zwischen amtlicher Dokumentation und Prosa.
Schädlich schrieb „Tallhover“,
seine zweite Veröffentlichung, neun Jahre nach seiner Ausreise
aus der DDR. Er greift die Figur Tallhovers später nochmal in
seinem Roman „Trivialroman“ auf.
Günter Grass lässt in seinem
Roman „Ein weites Feld“ (!995) die Figur Tallhovers unter dem
Namen Hoftaller wieder auferstehen.