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Ein Freund des Verblichenen

von : thewrittenword    

Autor : Kurkow, Andrej
Der Held des Buches heißt Tolja. Und Tolja ist seines Lebens einfach nicht mehr froh – er hat kein Geld, keine richtigen
Freunde, ein unbefriedigendes Eheleben und er lebt im kalten Russland. Was braucht ein Mensch mehr für die vollkommene Hoffnungslosigkeit? So lebt der freudlose Tolja verdrießlich in den Tag hinein und grämt sich über seinen elenden Zustand. Aber als er dann erfahren muss, dass seine Frau ihn auch noch mit einem Kollegen betrügt, dann ist das Maß für unseren Helden wirklich voll. Auch wenn er es schon lange vorausgesehen hatte, ja schon richtig damit gerechnet hatte, dass es ja so kommen musste, eigentlich nur so kommen konnte. Denn wenn zwei Eheleute sich nur noch im Dunkeln voreinander ausziehen, wenn jeder sorgfältig darauf achtet, die Badezimmertür abzuschließen, bevor man in die Wanne gleitet, wenn selbst zum Streiten die Lust vergangen ist - spätestens dann wird klar, dass irgendetwas in der Ehe ganz und gar nicht richtig läuft. Das Ergebnis: „Russische Tristesse in Einzimmerwohnung“. Tolja überlegt kurz, seine Frau umzubringen. Doch diese Idee verwirft er sehr schnell wieder. Genauso wenig will er sich an ihrem Liebhaber, seinem „netten Kollegen“, die Hände schmutzig machen. Er ist zwar todunglücklich, aber er ist kein Mörder. Ja, da bleibt ihm wohl nicht sehr viel mehr übrig, als sich selbst umzubringen. Tolja beschließt also seinem leben ein Ende zu setzen. Doch auch in diesem Unterfangen erweist sich Tolja als der perfekte Versager, er ist im wahrsten Sinne des Wortes „auch in suizidaler Hinsicht ein Tropf“. Trotzdem, dieses eine Mal will unser Held nicht aufgeben. Wenn er es schon selbst nicht fertig bringt, dann muss es eben ein anderer für ihn erledigen. Er will nur ein einziges Mal in seinem Leben etwas zu Ende bringen; und wenn es das Leben selbst ist. Und wenn schon, dann soll es sein größtes Werk werden, damit „wenigstens sein Abschied aus dem irdischen Jammertal nicht unbemerkt vonstatten geht“. Tolja möchte, dass die ganze Welt vor einem Rätsel steht, alle sollen sich fragen, warum der gute Tolja sterben musste. Er will seiner Feigheit nicht unterliegen, doch dazu braucht er einen Plan. Und da ihm nichts einfallen will, beschließt er, sich erst mal mit reichlich Wodka nachzuhelfen. So trifft Tolja am Spirituosenkiosk zufällig auf seinen ehemaligen Klassenkamerad Dima.   Man trinkt auf die Vergangenheit und schon bald klagt Tolja Dima sein Leid über seine gescheiterte Ehe und fragt den Freund so ganz nebenbei, ob er denn nicht Kontakte zu einschlägigen Kreisen habe, die einen ganz speziellen Auftrag ausführen könnten. Dima ist natürlich der Meinung, dass Tolja den Liebhaber seiner Frau beseitigen will und verspricht, ihm dabei zu helfen. Er kenne genau den richtigen Mann für sein Vorhaben. Tolja soll ein Foto und eine Beschreibung der zu eliminierenden Person in einen Umschlag stecken und in einem Postfach für den Killer ablegen. Außerdem soll er den Tatort festlegen – Tolja wählt sein Stammcafé. Lediglich im Besitz einiger alter Kinderfotos, muss der arme Tolja tatsächlich noch mit seinem letzten Rubel in ein Fotoatelier, um seinem Meuchelmörder ein aktuelles Konterfei schicken zu können. Nun endlich wartet Tolja im Café auf die finale Begegnung, doch der Killer lässt auf sich warten. Tolja betrinkt sich, um seine Angst vor dem Tod zu lindern und lernt so die Prostituierte Lena kennen. Nur gut, dass an solchen Wintertagen auch Killer ihre depressiven Verstimmungen haben! Denn dieser beschließt, sein Vorhaben auf einen anderen Tag zu verlegen. Und als der Killer dann zur Sperrstunde immer noch nicht aufgetaucht war, nimmt unser Held schließlich Lena mit zu sich nach Hause – „und mitten im russischen Winter geht für Tolja die Sonne wieder auf“. Tolja hat endlich die wahre Liebe gefunden. Vergessen sind die untreue Ehefrau, das karge Leben, die kalten Tage … und von Selbstmord kann natürlich gar nicht mehr die Rede sein. Jetzt will Tolja leben! Doch was tun? Der Auftrag läuft und der Killer – der ja nun seinen „Fehler“ vom Vortag wieder gut machen muss - lässt sich nicht mehr so leicht aufhalten. Der Killer kann zu jeder Stunde zuschlagen und für Tolja beginnt ein Rennen um sein Leben. Das Ende werde ich selbstverständlich nicht verraten. Lasst euch überraschen!
Veröffentlicht am: Juli 30, 2007
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