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Das Hotel New Hampshire

von : HerzEnRose    

Autor : Irving, John
Das 1981 erschienene Buch "Das Hotel New Hampshire" von John Irving erzählt die Geschichte einer nicht so ganz durchschnittlichen
amerikanischen Familie, ihrer Träume, Ängste und ihren sowohl fröhlichen als auch sehr dramatischen Erlebnissen.

Irving lässt vor den Augen des Lesers sehr schillernd die Geschichte der Familie Berry entstehen. Angefangen in dem Moment, in dem sich Mutter, Mary Bates, und Vater, Win Berry, während eines Ferienjobs im Hotel "Arbuthnot-by-the-sea" 1939 kennen- und lieben lernen Zusammen mit ihren fünf Kindern, Frank, Franny, John, Lilly und Egg, bewohnen sie das kleine Städtchen Dairy, New Hampshire, als Vater plötzlich beschließt dort ein Hotel zu eröffnen.
Die Familie erlebt im ersten "Hotel New Hampshire", einem dazu umgebauten, alten Schulgebäude, viele fröhliche und nicht ganz alltägliche Ereignisse. Doch das Leben in Dairy ist nicht leicht und so wird die älteste Tochter Franny von einer Bande des hiesigen Jungeninternats vergewaltigt, ihr älterer Bruder Frank wird als Homosexueller gehänselt und Lilly, die jüngste Tochter hört aus unerfindlichen Gründen auf zu wachsen. Da das Hotel nicht besonders erfolgreich ist, beschließt Win Berry es zu verkaufen und einen Neuanfang in Wien zu versuchen. Die ganze Familie verläßt in zwei getrennten Flugzeugen den Kontinent, doch die Mutter und der jüngste Sohn Egg sterben beim Absturz ihres Flugzeugs kurz vor Frankreich.
Trotz dieses schweren Schlages beginnt die restliche Familie das zweite "Hotel New Hampshire" in Wien aufzubauen, zusammen mit einem Freund aus alten "Artbuthnot-by-the-sea" Tagen und Besitzer des Hotels, Feud. Nach turbulenten sieben Jahren beginnt jedoch eine ebenfalls im Hotel untergebrachte linksradikale Organisation einen Bombenanschlag auf die nahe gelegene Wiener Oper zu unternehmen. Bei dessen Vereitelung stirbt Freud und Vater verliert sein Augenlicht, jedoch wird er dadurch zum gefeierten Helden. Die kleine Lilly, die während der Zeit in Wien ihre Liebe zur Literatur entdeckt, schreibt einen Roman über die Erfahrungen ihrer Familie und wird zur erfolgreichen Schriftstellerin. Mit Frank als ihrem Agenten verfügt die Familie nun über ausreichend Geld, um zurück in Amerika erneut einen Neuanfang zu starten. Aber Lilly ist mit ihrem Leben nicht zufrieden und begeht Selbstmord.
Der erblindete Vater hat den Plan das zu einer Ruine verkommene, alte Hotel "Artbuthnot-by-the-sea" wieder zu dem erfolgreichen Unternehmen zu machen, das es einst war. John (dem Erzähler der Geschichte) gelingt es mit Hilfe des Restes der Familie für Vater die Illusion eines echten erfolgreichen dritten "Hotels New Hampshire" erstehen zu lassen, obwohl das nur zum Eigenbedarf teilweise restaurierte Hotel eigentlich keine Gäste aufnimmt. Am Ende des Buches führen alle überlebenden Familienmitglieder ein zufriedenes Leben, nach ihren Vorstellungen.
Irving besitzt die wunderbare Gabe jedem Charakter der Geschichte durch sehr viel Tiefe und eigenem Wesen Leben einzuhauchen. Die handelnden Personen wirken sehr lebendig und jeder von ihnen, auch die Antihelden, besitzt unverwechselbare Wesenszüge. Während man der äußerst spannenden Erzählung folgt nehmen einen diese Menschen so sehr ein, dass man beginnt mit ihnen mitzutrauern und sich mit ihnen zu freuen. Es herrscht eine atemberaubende Identifikation.
Der Roman zeigt zwar das Scheitern des amerikanischen Traums in vielen Bereichen, jedoch stellt er die Familie als etwas sehr verläßliches und dauerhaftes dar.
Er kritisiert die Doppelmoral der Amerikaner, die ihren Kindern zwar zumuten würden bei einem Mord Zeugen zu werden, ihnen jedoch die Ohren zuhalten, wenn Worte wie "Orgasmus" oder "Unterleib" fallen.
Unterschwellig beanstandet Irving auch den Umgang der amerikanischen Bevölkerung mit Minderheiten, wie Schwarzen und Homosexuellen, in den vierziger und fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts.
"Das Hotel New Hampshire" ist ein Buch, das man jedem nur sehr empfehlen kann, der unterhaaltende aber nicht zu seichte Literatur zu schätzen weiß, denn trotz der vielen erfreulichen Erfahrungen der Familie Berry, tritt doch auch oft die Härte des Lebens zu Tage und der Tod ist ein ständiger Begleiter auf unserer Reise.
Veröffentlicht am: September 26, 2005
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