Dieses Buch zählt zu den großen Werken der Abenteuerliteratur. Nur ein Jahr nach „Ruf der Wildnis“ erschien der nächste Welterfolg
von Jack London.
Als Sechzehnjähriger lernte der junge London 1893 während einer Fahrt auf einem Robbenfänger das Seemannsleben kennen, zehn Jahre später verarbeitete er diese Erfahrungen in einem Buch. Er schildert darin das Aufeinanderprallen des weltfremden Schriftstellers Humphrey van Weyden und des Kapitäns Wolf Larsen, dem sich als Übermensch gebärdenden Seewolf.
Der Literaturkritiker van Weyden treibt nach einem Schiffsunglück in der Bucht von San Francisco auf das offene Meer hinaus und wird von der Mannschaft des auslaufenden Robbenfängers „Ghost“ geborgen. Kapitän Wolf Larsen erkennt in van Weyden einen verweichlichten Snob und zwingt ihn, als Küchenjunge an der Fahrt in das Nördliche Eismeer teilzunehmen. In dieser ausweglosen Lage gefangen wird van Weyden mit einem Teil der Wirklichkeit konfrontiert, in der allein die Gesetze der Natur und das Recht des Stärkeren entscheiden. Wie die Figur Buck in dem Roman „Ruf der Wildnis“ durchläuft auch van Weyden einen heilsamen Abhärtungsprozess, der ihm letztlich das Überleben an Bord und in der harten Natur ermöglicht.
Seine Anpassungsfähigkeit an die harten Lebensbedingungen bringen ihm allmählich die Anerkennung Kapitän Larsens und sogar eine Beförderung zum Steuermann ein.
Zwischen diesen unterschiedlichen Charakteren entwickelt sich nach und nach eine Art Hassliebe. Als bei der Rettung Schiffbrüchiger auch die schöne Dichterin Maud Brewster an Bord genommen wird, wandelt sich das Verhältnis der beiden. Larsen, der an einem Hirntumor leidet, bedrängt die schöne Dichterin mit seiner Begierde. Van Weyden, der sich für die Dichterin verantwortlich fühlt, nutzt eine der immer häufiger auftretenden Kopfschmerzattacken zur gemeinsamen Flucht auf eine angrenzende Insel.
Zwischenzeitlich kommt es zu einer Begegnung zwischen Larsen und seinem verhassten Bruder, der seinerseits Kapitän der „Macedonia“ ist. Dieser entert die „Ghost“, übernimmt die bereits meuternde Mannschaft und lässt seinen inzwischen erblindeten Bruder allein auf dem Wrack zurück. Das manövrierunfähige Schiff strandet genau an dem Strand der Insel, auf der van Weyden und Maud Brewster Zuflucht gefunden haben. Beide erkennen die Chance, die Insel mit dem leicht havarierten Schiff endlich verlassen zu können. Sie stellen die Seetüchtigkeit der „Ghost“ wieder her und lassen den zum Opfer gewordenen Larsen sterben.
Van Weyden geht in diesem fesselnden
Schauerroman dank moralischer Integrität als überlegener Sieger aus seinem Kampf gegen den skrupellosen Widersacher hervor.