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Die Blechtrommel

Summary rating: 3 stars 17 Kritik
Autor : Günter Grass
Review by : Montgomery21
Besucher : 1849  Wörter: 600   Veröffentlicht am: April 12, 2006
In Günter Grass’ Debütroman Die Blechtrommel verbinden sich zwei literarische Traditionen, der Schelmenroman und die Familienchronik. Am Beispiel einer Danziger Kleinbürgerfamilie leuchtet der Autor die Bedingungen für die Entstehung des Nationalsozialismus aus. Mit der Hauptfigur, dem zwergwüchsigen Oskar Matzerath, wertet Grass das nationalsozialistische Bild des „hässlichen Deutschen“ radikal um. Er schuf eine Figur, die im Dritten Reich als „unwertes Leben“ stigmatisiert und umgebracht worden wäre.
Dieser Oskar Matzerath beschließt im Alter von drei Jahren, mit dem Wachsen aufzuhören. Allein durch diesen Entschluss zur Kleinwüchsigkeit konnte er seinen Hals mehrfach aus der Schlinge ziehen. Er wird durch seine Erscheinung und Verhaltensauffälligkeiten von seinen Mit- und Gegenspielern unterschätzt und als kindlich naiv abgewertet. Gerade aus dieser Position heraus, aller Moralvorstellung entbunden, in bestehende Verhältnisse nicht involviert, ist die Hauptfigur zu einer unverfälschten und entlarvenden Sicht auf die Dinge fähig. Durch wildes Schlagen seiner Blechtrommel und das Zersingen von Glas verleiht er seiner Kritik am Zustand der Welt Ausdruck.
Die Blechtrommel ist ein Stück Warnliteratur, das unter dem Deckmantel des Schelmenromans daher kommt. Grass widerlegt die oft vertretene These, den Einzelnen treffe kaum Schuld am Aufkommen totalitären Denkens. Gerade das fehlende Vermögen jedes Einzelnen, sich für das Gemeinwesen verantwortlich zu zeigen, bildet den Nährboden solchen Gedankengutes. Egoismen, Kleingeistigkeiten und Lebensängste machen sie verführbar. Die Hauptfigur ist von solchen „Schwächen“ nicht befreit und erweist sich mitunter als bösartiger und egoistischer Zeitgenosse. Durch seine Erscheinung ist er zugleich Opfer, ein Zeit seines Lebens Getriebener.
Das Verdrängen millionenfacher Schuld im Nationalsozialismus bildet den moralischen Anspruch dieses Romans. Das immer wiederkehrende Schlagen der Trommel soll diesem Verdrängen entgegenwirken, gleichzeitig spiegelt es aber auch das Gefühl von Machtlosigkeit und Ausgeliefertsein wieder.
Der Lebensweg der Hauptfigur, seine geographische und soziale Herkunft, ist Grass’ Lebenslauf durchaus ähnlich. Die Blechtrommel trägt demzufolge autobiographische Züge. Literarisches Vorbild ist der spanische Picaro- oder Schelmenroman aus dem 17. Jahrhundert mit seinen körperlich unvollkommenen, hässlichen Hauptfiguren, die sich mit allen erlaubten und unerlaubten Mitteln, mit List, Durchtriebenheit und Schalk durchs Leben schlagen.

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