Geist und Rausch Ernst Jünger experimentierte ein Leben lang mit Drogen. Dabei ging es ihm allerdings nicht um
gesellschaftliche Rebellion, sondern um individuelle geistige Abenteuer. Als 75-Jähriger hielt er seine Erfahrungen in einem Buch fest. Jünger sucht im Rausch Annäherungen an etwas Unnennbares, was aus der alltäglichen Wahrnehmung von abstrakten Dingen wie der Zeit hinausführt in andere Welten – einen Vorgeschmack auf den endgültigen Übertritt in die andersartige Welt, den Tod. In den drei Hauptteilen des Buches gliedert er die Drogen ihrer Wirkungsart und ihrer kulturellen Herkunft nach in die Gruppen Europa, Orient und Mexiko. Auffällig ist, dass die Intensität der Rauschschilderung nicht mit der Beurteilung der Drogen korrespondiert. So fällt die Beschreibung des Alkoholrauschs mit 15 Jahren viel ausführlicher und eindringlicher aus als etwa die des hochgelobten Meskalins. Aber Jüngers Hauptakzent liegt ohnehin weniger auf den (nicht allzu sensationellen) Rauschberichten. Wichtiger sind ihm die essayistischen Passagen mit Abschweifungen in Ethnologie, Mythologie und Literatur, wo ihm pointierte Aphorismen gelingen. Glanzstücke sind auch die Porträts einzelner interessanter Weggefährten. Damit ist das Buch eindringlicher als so manches jargonhafte 68er-Drogentripbekenntnis – nicht nur, weil Themen wie Doping oder die Legalisierung von Cannabis ungebrochen aktuell sind.