Geld macht den Unterschied Spielt Geld eine wesentliche Rolle im Wirtschaftskreislauf? Oder ist es nur ein "Schleier",
ein neutrales Tauschmittel, das den Handel nicht wirklich beeinflusst? Das sind Fragen, die die Wissenschaftler des 19. und auch noch des 20. Jahrhunderts beschäftigten. Für den schwedischen Ökonomen und Freidenker Knut Wicksell war Geld nicht neutral. In seinen Augen spielte es durchaus eine Rolle, und zwar eine gewichtige: Die Geldmenge, damit war er sich mit den Vertretern der so genannten Quantitätstheorie einig, hat einen großen Einfluss auf das Preisniveau. Will man Inflation oder Deflation in den Griff bekommen, kann dies nur über den Geldmarkt geschehen - aber nicht mit der Notenpresse, sondern über die Höhe des Kreditzinses. Wicksell rückte das immer wichtiger werdende Bankensystem ins Zentrum seiner Theorie, die heute als "kumulativer Prozess" bekannt ist: Über die Beobachtung der Preise und die Veränderung der Kreditzinsen lässt sich demnach das Preisniveau steuern. Ein Unternehmer wird nur dann eine (kreditfinanzierte) Investition tätigen, wenn er sieht, dass die Kosten für den Kredit unter dem zu erwartenden Gewinn der Investition liegen. Dadurch wird eine Investitions-, Angebots- und Nachfragekaskade ausgelöst, welche die Preise erhöht. Sind die Preise zu hoch, geht das Ganze auch umgekehrt: indem die Kreditzinsen erhöht werden. Wicksells Buch Geldzins und Güterpreise gilt heute als Grundlagenwerk zur Geldpolitik.