Die Ausgangssituation ist ein echter
Klassiker: Zwei junge Frauen, die sich äußerlich bis auf das Haar gleichen,
aber charakterlich unterschiedlicher
nicht sein könnten treffen sich an der
gemeinsamen Schule und tauschen die Rollen. Allerdings, und da fängt der
Roman von üblichen Vorlagen abzuweichen, stehen die störrische Louisa aus
reichen Verhältnissen und die besonnene Alvey, eine Waise aus den
Vereinigten Staaten bereits am Ende Ihrer Schulausbildung an der Abbey-
School in Reading, England. Louisa will nach Ihrem Abschluss nicht zurück
zu Ihrer Familie sondern da sehr religiös, nach Indien aufbrechen und Wilde
missionieren. An Ihrer Stelle soll Alvey nach Hause reisen und Sie dort
vertreten. Alvey hat den Plan, nach Ihrem Abschluss Schriftstellerin zu werden
und da Sie als Waise sowieso nirgendwo vermisst
wird lässt sie sich für ein
Jahr überreden.
Ein Buch, bei dem man auf den ersten Seiten schon genau ahnt, wie sich die
Geschichte abspielen wird, Alvey krempelt Louisas zunächst verbohrte und
unfreundliche Familie um, wird zum Segen des Hauses, angelt sich zufällig
die beste Partie in der Umgebung und natürlich kommt Louisas Verschwinden
ans Tageslicht. Louisa taucht verheiratet wieder auf, fordert Ihre Stellung
zurück und dann: Happy End.
Trotzdem oder gerade deshalb liest man es durch, und das schnell und ohne
zu merken, dass man nicht mehr aufhören kann. Die Charaktere sind
wunderbar klar und konsequent beschrieben. Die Geschichte ist mit vielen
kleinen Details verziert, die helfen, sich das England des 19.Jh. vorzustellen
und es geschehen doch kleine unerwartete Zwischenfälle, die die Erzählung
auf den 419 Seiten immer in Bewegung halten.
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