Der Zauberberg von Thomas Mann zählt
nicht nur zu den großen Werken der deutschen Literatur, sondern auch der Weltliteratur.
Neben den „Buddenbrooks“ und „Königliche Hoheit“ gilt der Zauberberg heute als ein Meisterwerk an Stilvirtuosität und gekonnten Charakterzeichnungen. Eine Zuordnung in geläufige Genres fällt schwer. Einigkeit herrscht lediglich darüber, dass der Autor mit seinem Werk die Tradition des modernen Romans mit begründet hat. Die Hauptfigur der Geschichte ist der junge Hans Castorp, ein ordnungsliebender und prinzipientreuer Mann, der seinen lungenkranken Vetter in einem Schweizer Sanatorium besucht. Aus den geplanten drei Wochen werden sieben Jahre. In dieser Zeit lernt er Vertreter aller Stände und verschiedene philosophische Grundhaltungen kennen. Besondere Erwähnung genießen der italienische Literat Settembrini und der kommunistisch geprägte Jesuit Naphta, die sich erbitterte Streitgespräche liefern. Scharfe Wortwechsel und lange Diskussionen über Krieg, Religion und Staatsphilosophie unterbrechen den immer gleich verlaufenden Kuralltag. Castorp verliebt sich in dieser Zeit in die verheiratete Russin Clawdia Chauchat. Auch dieser „Umstand“ durchbricht die Langeweile des Alltags und bewegt die Hauptfigur zum Verweilen in der Davoser Bergwelt. Das Hamburger Flachland, von wo er einst anreiste, ist inzwischen in weite Ferne gerückt. Der Kontakt zur Familie und zu Freunden ist fast abgebrochen, an eine Rückkehr denkt er
nicht. Die Atmosphäre der Bergwelt hat ihn gänzlich vereinnahmt, nicht nur sein Zeitgefühl, auch er selbst ist darin verloren gegangen. Am Ende hat er sieben Jahre dort verbracht. Der Anlass seines Aufenthalts, sein lungenkranker Vetter, ist in dieser Zeit ebenso verstorben wie sein langjähriger Gesprächspartner Naphta.Castorp bringt endlich die Kraft auf, die Schweizer Bergwelt zu verlassen, um im Ersten Weltkrieg als Soldat zu dienen. Sein Schicksal bleibt unbekannt. Die eigentliche Handlung ist kurz und spärlich, großen Raum nehmen die Dialoge der Hauptfiguren ein. Fast die Hälfte des Romans ist den ersten sieben Monaten von Castorps Aufenthalt gewidmet, der Schlussteil umfasst einem Zeitraffer gleich die restlichen sechseinhalb Jahre. Bezeichnend für die eingangs erwähnte Stilvirtuosität des Autors sind seine ironische Grundhaltung und die äußerst detailgetreuen Beschreibungen von Krankheit und Tod.