triffst du die acht
in den liftschacht
bergab
geht der traum
das kind im plastik
übersteht
den
morgen nicht
das leben nimmt
sich zurück
was du dir
genommen hast
Interpretation zu "Lyrik ohne Titel"
Mein Impuls zu diesem Gedicht entstand aus einem Besuch einer Lesung
von Sonja Harter. Ich wollte mich mit einem ernsten Thema
auseinandersetzen und gleichzeitig einen wenig zusammenhängenden, sehr
frei interpretierbaren Text erstellen um die Fantasie des Lesers zu
fordern.
Triffst du die Acht in den Liftschacht, bedeutet so viel wie das
Unglück wirklich ins
Schwarze treffen und die schwarze Acht vom Billard
in ein tiefe schwarzes dunkles Loch zu stoßen. Man hat einfach Pech,
das man aber selbst provuziert hat und der Traum geht zu ende, geht
bergab.
Das Kind im Plastik übersteht den Morgen nicht indem man ein kleines
Neugeborenes in einem alten, stinkenden Plastiksack erstickt und in den
Müll wirft. In der dunkelsten Nach hat die Mutter es gebohren und nimmt
ihrem Kind gleich das leben, bevor der Morgen kommt.
Das Leben nimmt sich zurück, es hört auf zu sein und es nimmt sich
zurück was du (dieses DU enstpricht in etwa dem sonst so genannten
Lyrischen Ich) dir genommen hast. Es holt sich das Kind, dass sich die
Mutter selbst kurz nach der Geburt wieder selbst entrissen hat, zurück
und schließt es wieder in den Kreislauf des Lebens ein.
Der Kindsmord ist eine fatale, lebensverändernde Sache.
Diese Lyrik lässt trotz disem Interpretationsansatz noch immer viel
Freiheit und Spielraum, um neue Gedankenwege darin erkennen zu können.