Startseite von Shvoong >  Bücher > Kurzgeschichten Und Erzählungen > So was von Waerterei -Teil I

.

So was von Waerterei -Teil I

Summary rating: 3 stars 23 Kritik
Review by : Jewik
Besucher : 1931  Wörter: 900   Veröffentlicht am: Oktober 03, 2005
In der Kurzprosa von Gabriele Wohnmann „So was von Warterei“ geht es um eine Frau mittleren Alters, die unter Vorwand auf jemanden zu warten, sich betrinkt. Während des Lesens bekommt man den Eindruck, als sei die Person depressiv, verschlossen und unzufrieden. Ihre inneren Monologe wirken verzweifelnd, verwirrend, nahe zu Aussichtslos. Und vor allem scheint es, als fühle sie sich ängstlich, verlassen, alleine. Verdammt, in Einsamkeit zu leben und zu sterben – Ihre größte und einzigste Sorgen, Angst vor der Einsamkeit. Sie wartet eigentlich auf niemanden, sondern eher auf das, was sie ihrer Ansicht nach nie haben wird.
Zu Anfang des Textes wird man sofort in das Geschehen verwiesen, taucht gleich ein in die Gedankenwelt einer Frau, die von Unsicherheit strotzt. Man wird sozusagen mit ihrer Unsicherheit überhäuft. Es soll Blödsinn gewesen sein, überhaupt her zu kommen, doch jetzt sei es zu spät. Zu spät für was? Ist es denn so schlimm, warten zu müssen? Sie wartet und trinkt. Schnaps. Vielleicht um sich die Wartezeit zu vertreiben – doch wer trinkt schon 3 Gläser Schnaps, wenn er wartet? -, vielleicht aber auch nur, um die Zeit zu vergessen, um das Leben zu vergessen, das für sie keinen Sinn mehr hat.
Man merkt, dass sie sich unwohl hier fühlt, nicht gerne in der Öffentlichkeit ist, in der sie sich nicht oft aufzuhalten scheint, da sie „Für Zudringliche kein passendes Objekt“ ist. Sie verschließt sich lieber, ist lieber in den weiten, endlosen Dünen, die einsam sind wie sie selbst. „Hinter den Dünen hört alles Bekannte und Sichere auf.“ Sie hat Angst vor dem, was hinter ihrer Einsamkeit liegen mag. Doch bei einer später verwendeten Anapher wird einem deutlich, dass sie abends immer hier ist, „<...> abends hör ich ihn gern am Bass zupfen, abends wenn übers Podium rotes Licht zuckt<...>“ Die Widerholung des Wortes „abends“ bekräftigt eine Gewisse Routine, Regelmäßigkeit hier zu erscheinen. Nachmittags scheint sie auch hier zu sein. Obwohl sie also verschlossen ist, erscheint sie hier öfters um zu warten. Und kommt auch immer wer?
Das Wetter wird beschrieben, düster und blass, melancholisch und trist. Eine Personifizierung liegt vor, bei „draußen zerfetzt der nässliche Wind blasse Farben“ oder „Zornig zerspritzt das Meer <...>“ Einem wird sofort klar, dass es sich hierbei um die Veranschaulichung ihrer Gefühle handelt, dem Innersten der Frau. Und wieder wird gefragt, worauf sie wartet. Worauf sollte eine Frau warten, die sich so verlassen fühlt und so in sich gekehrt ist? Wenn man aufmerksam liest, fragt man sich also schon zu anfangen, warum eine solche Frau überhaupt auf jemanden warten sollte mit solcher Einstellung. Will sie denn nicht lieber alleine sein?
„Nie wird der Übergang vom Land zum Wasser verstehen werden können und niemals wird er als ungefährlich und erwartet erscheinen, er bleibt immer fatal.“ Die Dünen seien das Land – ihre Einsamkeit, und das Wasser das andere, auf das sie wartet. Hieraus könnte man deuten, dass sie Angst hat, nicht alleine zu sein, sie hat Angst, sich mit jemanden zu treffen, da es als gefährlich und nicht erwartet beschrieben wird, also etwas, das man nicht wagen muss. Sie redet sich somit heraus, in dem sie sagt, dass man nicht aus der Einsamkeit heraus muss, man muss nicht, es reiche schon zu warten. Also möchte sie wohl lieber alleine sein, wo alles sicher scheint.
Diese Einstellung ist sehr pessimistisch, vor allem weil die Frau diese Einsamkeit als beschlossene Sache betrachtet. Sie beobachtet eine Familie und denkt: „Aber mein Alleinsein ist beschlossene Sache; Das alles ist nicht mehr für mich bestimmt: <...> zappelnde Kinder, tüchtige Mütter.“ Sie hat sich schon längst damit abgefunden und regt sich doch immer wieder darüber auf, was durch ein Oxymonion „satt und doch begierig“ ausgedrückt wird. Diese Familie hat alles und verlangt doch nach mehr und mehr, kann nicht einsehen, dass alles doch da ist, was der Glückseeligkeit bedarf, während die Frau nichts hat, nicht das, was die Fammilie hat.
Ein weiteres Zeichen ihrer Wut kommt auf, als der Ober ihr 4tes Schnapsglas bringt. Warum sollte der Ober denn nicht freundlich sein? Nein, sie denkt sich gleich, er verachte sie, weil sie trinkt. Und sobald eine blonde, weiche, aufgetakelte siebzehnjährige weiblichen Geschlechtes hereinspaziert, scheint sie Luft zu sein. Sie denkt, dass er sie eh nicht leiden könne und sagt: „Hoffentlich kann ich den Platz da noch freihalten.“ Warum sagt sie dies so deutlich ihm ins Gesicht? Weil sie wirklich wartet und aus Langeweile heraus einen Gesprächspartner sucht? Oder weil es ein Instinkt war, der ihr sagte, ihre Würde zu behalten, in dem sie dem Ober weiß macht, dass auch wenn er sie attraktiv finden würde, er keine Chance haben würde? Hat sie dies gesagt, weil sie ihm zeigen will, dass Mann auf sie steht und sich mit ihr treffen will? Sie ist aufgebracht und wütend. Ist so etwa die Einstellung einer Wartenden? Sollte sie sich denn nicht freuen? Es scheint als warte die Frau ohne wirklich zu warten.

Mehr Rezensionen über So was von Waerterei -Teil I
Diese Zusammenfassung bewerten : 1 2 3 4 5


Anmerkung hinzufügen Keine Kommentare

Kommentare zu So was von Waerterei -Teil I

Kostenlose Zusammenfassungen lesen - Schreiben und Geld verdienen

Das Wissen der Menschheit auf Shvoong zusammenfassen. Mitmachen!

------