Man sieht auch, dass sie
nicht nur wütend, sondern auch verzweifelt ist anhand der Rhetorische Fragen, die keine Antwort erhalten. Die Frau versucht sich mit diesen Fragen selbst zu überzeugen, wo die Vorstellung fehlt. Die Fragen sind das einzigste, was ihre Lüge aufrecht erhält, was sie daran hält, weiter zu warten, was ihr hilft, nicht die Wahrheit sehen zu müssen. Wie nun, als der Ober ihr das Glas bringt und sie sagt, dass sie hoffe, den Platz freizuhalten. Nur, um sich selbst vorzumachen, dass wirklich wer kommt, um den Schmerz zu überdecken, als dieser picklige Ober-Jüngling sich nicht für sie zu interessieren scheint, sondern für dieses Mädchen.
Im Laufe der Geschichte häufen sich diese Fragen
mehr und mehr. Eine Klimax, die Spannung und Verwirrung und Zorn aufbaut. Genauso mit den Schnapsgläschen.
Immer mehr und schneller. Unterstrichen
wird diese Spannung auch durch Parataxe, die abgehackt und durcheinander stehen. Hektische Sprünge von Gedanken auf Taten, auf Geschehnisse, auf Beschreibungen. Verwirrend, Ausdruck von Verzweiflung, die man fühlt. Man fühlt ihren Schmerz.
Die Spannung findet ihren Höhe, bis der letzte Satz verklingt: Übrigens hab ich keinen erwartet. Sie hatte also nie gewartet. Dieses „übrigens“ klingt als sei es eine nebensächliche Feststellung, die nicht von Bedeutung sei. Doch mit diesem letzten Satz wird einem alles schlagartig klar: Anscheinend war dieser Abend nur wieder einer ihrer Versuche gewesen, die doch eigentlich gar keine sind. Vielleicht hatte sie sich ein letztes Mal gesagt, es zu versuchen, doch noch dies zu finden. Sie wird es immer wieder versuchen. Ohne Erfolg. Denn man sieht, dass sie sich selbst in etwas hineingestrickt hat, wo sie nicht mehr heraus kommt. All Verwirrung, Zweifel und Angst von ihr selbst erzeugt. Vielleicht wurde sie ja einst verletzt, verlassen und hat den Glauben an die Männerwelt verloren, vielleicht hatte sie auch noch nie eine Liebe, und fühlt sich verdammt, nie lieben zu dürfen. Doch so wie sie redet, klingt es eher als könne sie nicht lieben. Sie hat sich ihre eigene Verzweiflung, Angst und Hilflosigkeit gestrickt, all ihre Fragen wie ein Netz der Einsamkeit, das über sie gespannt liegt und in Melancholie und Pessimismus und Ausweglosigkeit treibt.
Und trotzdem wartet sie immer. Irgendetwas bewegt sie doch zu hoffen. Nicht auf jemanden oder irgendetwas, sondern eher auf das, was sie ihrer Ansicht nach nie haben wird. Liebe. Verständnis. Beistand. Hilfe. Geborgenheit. Treue. Das Gefühl, gehalten zu werden.
„So was von Warterei“. Ja, es ist eine Warterei, eine Warterei auf die Erlösung, auf die sie immer wartet ohne zu warten, die nie kommen kann.
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