Dazu
werden Metaphern verwendet.
Zum Beispiel steht der Nebel, welchen sie als ,,schneeflockenweiß" (1) beschreibt, für ihre Liebe, für das Positive.
Die ,,schwarzen Akazienarme" (1) stellen ihre eigene Unsicherheit, ihre Blockade und ihren Verstand dar.
Der Nebel
wird von den Akazienarmen zurückgehalten: ,,Plötzlich war der Nebel von fetten schwarzen Flecken gelöchert, stumm fiel die Schar Rabenkrähen aus niedrigen Qualm aufs Feld; sie hörte nur das Flappen der Flügel und meinte, einen sachten Wind zu fühlen, den Windatem der langen Herbstreise" (Zeile 13 bis 15).
Die Raben stellen die gaffenden, auf ihr ,,rumhackenden" Leute dar. Sie sind die fetten schwarzen Löcher, die beschrieben werden. Sie ,,löchern" den Nebel, also auch ihre Liebe. Und wenn die Liebe zu viele ,,Löcher" hat, kann sie
nicht mehr aufrecht erhalten werden. Das Flappen der Flügel stellt die Wörter der Leute da, durch welche sie einen sachten Wind verspürt. Einen Wind der Veränderung, des Umdenkens. Es ist die Rede von einer langen Herbstreise. Es ist möglich, dass sie damit ihre eigene Reise meint, ihre Reise, bevor die wirklich ,,kalte" Zeit anbricht.
Die Frau meint, Buchstaben erkennen zu können,"(...) steife schwarze Buchstaben irgendwelcher Wörter, fette, finstere Zeichen irgendeines Sinns" (16 f.).
Vielleicht wollen ihr die Raben eine Nachricht überbringen, sie warnen, ihr eine andere Sichtweise zeigen, sie umstimmen.
Sie hat Angst, sie könnten Recht haben.
Die ganze Zeit, in der sie auf der Bank sitzt, blickt sie auf die Vögel: ,,Sie starrte auf die schwarze Vogelschrift im Feld(...)"(24).
Sie denkt also die ganze Zeit daran, was die Leute wohl sagen.
Die Frau spürt, dass sie jetzt eine Entscheidung fällen muss, dass sie nur jetzt erkennen kann, was sie tun soll (,,(...) sicher sollte jetzt eine Entscheidung kommen, und ehe der Schwarm weggeschoben und alles weggescheucht und weggewischt wäre, müsste sie wissen, was das bedeuten sollte", 25 f. oder ,,(...) was sagte die flüchtig ins Feld getuschte Schrift: ehe der Abend oder der Nebel oder sonst ein Gegner sie auslöschte, müsste sie den Sinn herausgelesen haben", 58 bis 60).
Dies will die Worte der Leute entschlüsseln, solange ihre eigenen Gefühle, welche sie als Gegner des Verstandes ansieht, sie wieder auslöschen. Sie selbst will ihre Beziehung von der prosaischen Seite betrachten.
In dem letzten von mir angeführten Zitat wird auch der Abend als Gegner angesehen. Er stellt einen Faktor dar, den sie selbst nicht beeinflussen kann. Er kommt, egal ob sie es will oder nicht.
Als der Mann sich dann entscheidet, sie zu heiraten, reagieren die Vögel: ,,Ein Gelächter zankte durch den Schwarm und hob ihn hoch; plump und fett und hohl jammernd flappten sie niedrig quer übers Feld" (63 f.).
Dies steht für die Folgen, wenn sie
heiraten würden. Sie würden belächelt werden. Da die Leute nicht wissen, wie es dazu kam, wird das Gelächter ,,plump", ,,fett" und ,,hohl"(63) sein.
,,Der Nebel klupte sich, und in die Flockenbündel bohrte der schwarze Keil der Vögel seine Spitze(...)"(64).
Alle positiven Gefühle ballen sich zusammen, die Leute versuchen jedoch weiterhin einen schwarzen Keil dazwischen zu bohren.
,,(...) später als die Vogelkörper schlickte der Qualm die keifenden Rufe"(64 f.). Die Liebe zu ihm lässt sie über die Äußerungen der Leute stehen. Zuerst überhört sie die Worte, bis sie schließlich die Leute selbst übersieht.
Bei diesem Text handelt es sich um eine Kurzgeschichte. Der Leser wird direkt mit der erdrückenden Situation konfrontiert.
Außerdem bleiben die Personen relativ unpersönlich, da immer nur die Rede von ,,ihr" / ,,sie" und ,,ihm" / ,,er" ist.
Der vorliegende Text stellt einen kurzen Ausschnitt aus dem Leben anderer dar. Man erfährt weder Vorgeschichte noch wie die Handlung letztendlich ausgeht. Es wird der momentane Zeitpunkt näher beschrieben. Es geht darum, wie es weitergehen soll.
Weiterhin wird auf spezifische Schilderung der Landschaft verzichtet. Nur das wirklich Wiichtige wird kurz und knapp geschildert.
Es wird das allgemeine Schicksal von Frauen, die ihren Mann verloren haben und sich in einen anderen Mann verliebt haben, gezeigt und wie mit ihnen umgegangen wird.
Die Figuren sind weder erhöht dargestellt, noch sind sie idealisiert. Als Ideal gilt eine verheiratete mit Kind, von den Leuten gemocht und akzeptiert. Sie jedoch ist Witwe mit Kind und neu verliebt.
Es sind Menschen aus dem Alltag, die ihren Pflichten nachgehen müssen, zum Beispiel sich um das Kind kümmern, es ins Bett bringen. Zum Alltag kann man auch ihr tägliches Treffen um fünf Uhr bezeichnen (,,Man gewöhnt sich so daran(...). Um fünf Uhr auf der Bank von Loms um fünf Uhr jeden Tag, das ist der Kern der Kirsch", 45-48).
Die Charaktere entwickeln sich nicht.
Das, was geschieht, geschieht gleichzeitig zu unserer Zeit. Ihre Unterhaltung nimmt die gleiche Zeit in Anspruch, die man selbst auch brauchen würde.
Das Ende ist kein wirkliches Ende.
Er entscheidet zwar, dass sie heiraten werden, wie sie jedoch reagiert, bleibt offen.
Gabriele Wohmann wurde 1932 geboren und ist bekannt für ihre Kurzgeschichten, die die Schattenseiten menschlicher Beziehungen aufzeigen. Sie sind privat, subjektiv, individuell und vor allem grau.
Die Schattenseite in dieser Kurzgeschichte ist eindeutig. Gabriele Wohmann macht auf die Leute aufmerksam, die durch ihre Neugier und Hetzerei das Glück anderer zerstören können.
Sprachauffälligkeiten gibt es im Großen und Ganzen nicht, bis auf Stellen des inneren Monologes, an dem die Gedanken so wiedergegeben werden, wie sie ihr in den Kopf kommen (43: ,,(...)diese Haut, Wärme und Trotz und Freundschaft, heiraten, Michel sag Vater, sieh das ist Vater").
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