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Verschluck dich nicht

Summary rating: 2 stars 4 Kritik
Review by : Jewik
Besucher : 967  Wörter: 900   Veröffentlicht am: Oktober 03, 2005
In dieser Kurzgeschichte von Gabriele Wohmann geht es um die Altersforscherin Aurelia, die sich auf Grund ihrer Alterserscheinungen nach Isolation und Ruhe sehnt, obwohl sie selbst Seminare zur Problematik des Älterwerdens hält und den Menschen Ratschläge zur Bewältigung dieser Erscheinungen vorträgt. Ein großer Faktor ihres Bedürfnisses ist die Unzufriedenheit mit ihrer, denn sie ist der Meinung, dass sie die Männer nicht mehr so verzaubern kann wie früher. Aus dieser Unzufriedenheit heraus resultiert eine allgemeine Ablehnung gegen die Gesellschaft und
ihrer Ideale, wie zum Beispiel der sorglose Umgang mit der Umwelt, etc.
Im weiteren Verlauf der Geschichte trifft sie zwei Vertreterinnen des Vereins „Verschluck dich nicht“, die bei älteren Menschen versuchen die Kommunikationsfähigkeit zu fördern, da dies das einzige Mittel zur Altersbewältigung ist. Die beiden Vertreterinnen können bei Aurelia damit nichts erreichen, bis auf die Verstärkung ihres Isolationsbedürfnisses.
Gabriele Wohmann versuchte in dieser Kurzgeschichte das Problem der weiblichen Identitätslosigkeit und die Kommunikationsproblematik bei älteren Frauen zu verdeutlichen. In diesem Fall beschreibt sie einen Tag der Altersforscherin Aurelia, die sich immer mehr durch die sorglose Gesellschaft und die stetige Abnahme ihrer physischen Attraktivität Isolation sehnt. „Aurelia war immer eine Frau gewesen, die kurz nach flüchtigem Kennen lernen einen Mann, übrigens jeden Alters, dazu bringen konnte, sich ein bisschen in sie zu verlieben“ . Aber seitdem sie bemerkt, dass sie älter wird, gefällt sie sich selber nicht mehr selber und
sieht ihr Leben und die Gesellschaft sehr kritisch. Dies ist darauf zurückzuführen, dass sie sich „an Tagen ohne physisches Gefallen an sich selber nicht liebt“ und somit sich und ihr Umfeld hasst. Aurelia sehnt sich immer mehr nach ihrer Vergangenheit und der damit verbundenen Jugend zurück. Dieses wird insofern deutlich, da alle Sätze, in denen sich Aurelia an die Vergangenheit erinnert, mit „früher“ beginnen und somit die uneinholbare Vergangenheit noch stärker zum Ausdruck bringt. Zudem wird die Nachdenklichkeit und Trauer von Aurelia betont (Früher habe ich ……...; Früher kam ich ………; Früher brachte mich
………; Früher habe ich ………; Früher brauchte ich ………; Früher habe ich ………) < vgl. WOHMANN 1982, S. 60>. In dieser Phase fallen ihr besonders die gesellschaftlichen Missstände auf, denn den Menschen ist ihrer Meinung nach alles egal, sie kümmern sich zum Beispiel nicht um das Leben anderer oder die Umwelt < vgl. WOHMANN 1982, S. 60>.


Das ist der Auslöser für Aurelias weitere kritische Auseinandersetzung mit der Thematik, die in einem ganzen Absatz mit rhetorischen Fragen mündet.(„ …Kinder, und dann Enkel, sind ein unentbehrlicher Beitrag zur Altersqualität. Wie bitte? Was soll das sein? Eine Urschuld? (…)“) < vgl. WOHMANN 1982, S. 61>. Die hypothetische Auseinandersetzung mit dem Thema zeigt zwar ihr Verständnis, doch schafft sie es nicht aus ihrer selbst geschaffenen Isolation hinauszukommen, um sich tatsächlich mit ihrem Mitmenschen auseinander zusetzen. Diese Kommunikationsstörung bringt sie weiterhin in eine Isolation und sich steigernde Unzufriedenheit.
Letztendlich spricht sie ihren Wunsch nach Isolation sogar aus, denn ihr Umfeld ist ihr zu anstrengend geworden ist, da sie nun nicht mehr die Kraft und die Schönheit besitzt, um sich in der Gesellschaft zu profilieren. („ Ich brauche Isolation, wütete es in ihr. Mein Bedarf an Isolation wächst und wächst.“) < vgl. WOHMANN 1982, S. 61>. Trotz dieser Erkenntnis versucht sie dieses mittels Schmerzmittel zu unterdrücken, um ihr Leben in der Gesellschaft nicht zu gefährden und sich mit diesem Thema nicht weiter
auseinander setzen zu müssen. Sie bekämpft also nicht die Ursachen, sondern unterdrückt die Symptome. Zwei Vertreterinnen des Vereins „Verschluck dich nicht“, die sie im Zug trifft, sehen gerade dies als generelles PProblem bei älteren Menschen an ( „Das Gespräch fehlt. Der Kontakt fehlt. Die Nähe zu anderen . Das Mit- und Zwischenmenschliche.“) < vgl. WOHMANN 1982, S. 62>, welches meist allgemeine Menschenliebe meist wirkungs- und sinnvoller gelöst werden könnte. Somit entsteht zwischen diesen beiden Interessengruppen ein Konflikt, da Aurelia dieser
Problematik nicht ins Auge sehen möchte und sieht sich in ihrem Bedürfnis nach Isolation noch einmal bestätigt. Im folgenden trifft sie einen jungen Mann, den sie wie früher schon nach zehn Minuten verzaubert. Im Gespräch mit ihm verschluckt sie sich und der junge mann ist verwirrt und fragt sich, ob er dieser „alten Frau“ helfen muss. Sie zieht sich zurück, um dieser
unangenehme Situation zu entgehen, weil ihr unangenehme Situation zu entgehen, weil ihr peinlich vor Augen geführt wird, dass sie doch älter ist als sie glaubt und der junge Mann diesen Eindruck auch noch durch seine Frage („ Ich müsste Ihnen auf den Rücken klopfen, oder nicht?“) < vgl. WOHMANN 1982, S. 64> bestätigt. Hier erweist sich das zuvor genommene
Schmerzmittel als nicht hilfreich, da Aurelia ihr Problem nur unterdrücken konnte und nicht beseitigen.

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