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Ein Familienleben

Summary rating: 3 stars 3 Kritik
Review by : Jewik
Besucher : 1086  Wörter: 600   Veröffentlicht am: Oktober 03, 2005
Diese Kurzgeschichte beschreibt den Urlaub eines Ehepaares und ihrem Sohn Julian an der Mosel. Dieser Urlaub ist durch die Streitereien und Nörgeleien der Eltern gekennzeichnet, die sie aus dem Alltagsleben mit in den Urlaub mitgenommen haben. Nur ihr Sohn Julian hält ihre Ehe noch zusammen, trotzdem kümmern sich die Eltern, obwohl die Mutter Kinderforscherin ist, nicht intensiv um Julian, denn ihre Probleme im Beruf
und in der Ehe sind zu schwerwiegend. Anhand dieser Kurzgeschichte will Gabriele Wohmann die Problematik der Ehe aufzeigen. Beide Elternteile fühlen sich nicht mehr wohl in der Ehe, die in der letzten Zeit durch das
„Hin und Her“ zwischen guten und schlechten Zeiten gekennzeichnet ist. Ihn regen die „täglichen Schlampereien“ seiner Frau nicht mehr auf, sondern nimmt sie als
Selbstverständlichkeit hin. Daraus erkennt man, dass er die Hoffnung um die Ehe aufgegeben hat. Denn er versucht seiner Frau nicht mehr klarzumachen, was ihn stört und was man ändern konnte. Außerdem „fühlt sich die Ehefrau nur in ihrer Wut dem Familienleben gewachsen“ < vgl. WOHMANN 1982, S. 262>, denn in diesen Situationen fühlt sie sich durch die innere Unverstandenheit und Zerrissenheit stark genug, um sich den familiären Konflikten zu stellen. Somit stellt dieses auch die Unzufriedenheit der Ehefrau im Hinblick auf ihre Ehe dar.
Aus diesem komplexen Konfliktpotenzial resultiert, dass die Ehepartner ihre
Unausgeglichenheit in den Urlaub übertragen und dieser keine Erholung mit sich bringt, sondern auch hier die öde Routine Einzug hält. Aus diesem Grund spielt das Berufsleben der Eheleute auch im Urlaub eine große Rolle und sie nehmen ihren Sohn Julian als einen „Fremden, der mit am Tisch sitzt“ < vgl. WOHMANN 1982, S. 261> wahr. Die zeigt die Unbeteiligkeit von Julian am Familienleben, trotzdem „halten sie die Ehe Julian zuliebe aufrecht und spielen Familie so gut es eben geht“ . Julian aber hingegen ist „kein Kind“ < vgl. WOHMANN 1982, S. 263>
mehr und hat die Problematik der Ehe seiner Eltern erkannt. Somit rückt die Scheidung seiner Eltern immer näher und er stellt sich die Fragen „Wohin? Zu Mami? Zu Papi?“ . Damit signalisiert er, dass er sich schon auf ein Leben nach der Scheidung einstellt. Aber letztendlich vertragen sich die Eltern wieder und das Hin und Her fängt wieder von vorne an. Julian kann sich darüber weder freuen noch ärgern, denn er ist diesen Ablauf schon gewohnt. In dieser Kurzgeschichte versucht Gabriele Wohmann anhand dieses Ehepaares die komplexe Struktur der Ehe darzustellen, denn beide Ehepartner können sowohl mit oder ohne den anderen nicht leben. Diesen Konflikt trägt sich aber auch auf die Kinder über, die dann darunter leiden müssen. Um die Zwiespältigkeit besonders gut darzustellen, ist Gabriele Wohmann fast nur auf die Sicht und die Emotionen von Julian eingegangen.

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