Auf in den Süden - nach Italien! Wenige Ausrufe haben in den letzten vierzig Jahren die Deutschen
derart emotional berührt. „Miracoli!” holte die lieben Kleinen an den Tisch und motiviert seit neuestem auch die verspielten Eltern zum Spaghetti-Essen zu kommen. Der ein oder andere erlebte das Spieler anspornende “Forza Italia” in italienischen Fußballstadions. Aber kaum etwas hat wohl diese Wirkung wie das Anlassen des VW-Motors seit den 50er Jahren und der Blick zu den fernen Alpen-Hängen und der Ausruf von “Nach
italien!”. Es ist jener Satz, den wohl auch die alten Germanen, regennass und verfroren, bereits ausgestoßen haben.
“Nach Italien!” ist ein idealer Titel für ein Buch, dass sich als Reise-Anleitung für das Belpaese versteht. Der Berliner Wagenbach-Verlag, bekannt für seine zahlreichen Publikationen über Italien, hat Texte zeitgenössischer italienischer und deutscher Autoren ausgewählt und in einem lesenswerten Buch im Handtaschen-Format veröffentlicht.
Es ist eine gelungene Auswahl an Autoren wie Luigi Malerba und seine Anekdote über Römer und Schweizer, des Sizilianers Leonardo Sciascia, Italo Calvino und deutscher Italien-Kenner wie Alice Vollenweider. Die Autoren zeigen das facettenreiche Italien jenseits der Klischees von La dolce Vita, Zitronenbäumchen und Vespa auf. Der Leser nimmt teil an den täglichen Irrtümern der Touristen, erlebt das sommerliche Rom und kann
nicht umhin, über die kleinen Schwächen der Italiener zu schmunzeln. Friederike Hausmann schreibt über die Geschichte der Plätze, Straßen und Denkmäler und unternimmt damit einen Ausflug in das Risorgimento, dem Befreiungskampf vor mehr als 100 Jahren. Die einstigen Helden von Cavour, Mazzini bis Garibaldi gehören ins tägliche Straßenbild und sind die Konstante italienischer Städteplaner. Alice Vollenweider macht mit “Essen in Italien” Appetit auf die lokale Küche und erklärt wie man sich optimal, unauffällig in einer Bar verhält. Außer der Reihe enttäuschend ist der Beitrag von Umberto Eco, es gibt weit unterhaltsamere, intellektuellere Texte von ihm als jener über die Autobahn. Eine praktische Zugabe ist das Foto-Lexikon von italienischen Gesten; wer in Italien nicht verloren sein will, kann diese anhand der schwarz-weiß Bilder von Leonardo Galanti nachüben. Beinah alle dieser Texte stammen aus Publikationen, die im Wagenbach-Verlag veröffentlicht wurden.
Das rote Büchlein ist sowohl für Italien-Kenner wie Einsteiger in das faszinierende, kulturreiche Land am Mittelmeer geeignet. Mit dem Verständnis für die Italiener und ihre Lebensweise, ihre Fahrtkünste und ihr Temperament dürfte die nächste Italienreise ganz sicher eine glückliche werden. “Nach Italien!” ist ein Buch für jene Italien-Süchtige, die nur ein Fitzelchen Italienità um sich brauchen, um im Gesicht ein selig-zufriedenes Lächeln zu tragen. Das Buch ist nach diesem, an Sonne und Wärme armen, Sommer die notwendige und ideale Lektüre für die ersten Herbstabende, um das eigene Gemüt winterfest zu machen.