Deutschlands beliebtester und vielseitigster Fernseh-Entertainer, Hape Kerkeling, pilgert zum Grab des heiligen Jakob. Dieses Szenario wurde nicht für eine wochenlange Doku-Soap auf RTL II entwickelt, sondern ging vom Königin-Beatrix- und Horst-Schlämmer-Parodisten, Schauspieler und Komiker selbst aus. Die zentrale Frage nach dem „Wer bin ich?“ stand hier Pate.
Wer den begabten Fernseh-Menschen kennt und schätzt, stellt sich berechtigter Weise die Frage: Passt das zusammen? Auf den ersten Blick würde man diese Frage verneinen.
Kerkeling selbst äußerst in diesem Buch häufiger seine Zweifel, als er sich mit seinem elf Kilo schweren Rucksack Kehre für Kehre in Richtung fernes Santiago de Compostela dahinschleppt.
Sowohl beim Autor als auch beim Leser schwinden aber im Laufe der 800 Kilometer langen (Tor)Tour die Zweifel. Bleibt man als Leser nicht oberflächlich, sonder lässt sich auf die Materie ein, merkt man sehr schnell, dass das passt. Und wie.
Der Jakobsweg ist seit knapp tausend Jahren Gegenstand unzähliger Aufzeichnungen und Bücher, gerade in den vergangenen Jahren gab es eine wahre Flut zu diesem Thema. Und doch ist dieses Buch erfrischend anders, was an der ganz und gar typisch Kerkeling’schen Art und Weise liegt. Seine rund sechs Wochen lange Reise schildert er amüsant und beschwingt, aber dennoch ergreifend und sehr persönlich. Man erwartet von ihm keine Höchstleistungen. Es macht ihn nur menschlicher, wenn er statt zu Fuß auch mal den Bus oder die Bahn nutzt, um eine kleine Schwächephase zu überbrücken.
Seine ungekünstelten Tagebucheinträge machen Mut, dass auch bekennende Couch Potatoes die durchaus vorhandenen Strapazen der Wanderung meistern können. Pädagogisch wertvoll muten auch die Strapazen in Gestalt wenig komfortabler Unterkünfte, manch ungenießbar scheinender Mahlzeit und aufdringlicher Weggefährten an.
Kerkeling nimmt alle Hürden und dabei kein Blatt vor den Mund. Er beschreibt die Umstände und Menschen, wie sie sind. Demzufolge findet das 320 Seiten starke und mit netten Fotos angereicherte Buch auch als ausgezeichneter und sehr detaillierter Reiseführer Verwendung. Wichtiger noch ist aber die Funktion als vom Jakobsweg losgelöster spiritueller Ratgeber. Das Buch will kein spiritueller Ratgeber sein. Missionarischer Eifer, arrogante Besserwisserei, nervige Erleuchtungseskapaden wird man nicht finden. Und doch geht es viel um Gott, Religion und Wiedergeburt. Seine Gedanken bringt Kerkeling in den so genannten „Erkenntnissen des Tages“ am Ende jedes Kapitels auf den Punkt.
Mit Charme, Witz und Blick für das Besondere erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger und ihre Rituale kennen. Er erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Belohnungen – und eine ganz eigene Nähe zu Gott.
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