Auf der Grundlage einer Schottlandreise, die Theodor Fontane im Jahre 1858 mit seinem Freund Bernhard von Lepel unternahm,
beschreibt ersterer in seinem Werk „Jenseit des Tweed“ seine Eindrücke und Erfahrungen im und über den südlichen Teil Schottlands.
Von London ausgehend bricht der Autor und sein Begleiter vor nun fast 200 Jahren auf, um die Stationen Edinburgh , Linlithgow, Stirling Castle, außerdem Perth und Inverneß, alle zweifelsohne durch
historische Begebenheiten bekannt geworden, zu besuchen. Den Höhepunkt der Reise bildet hierbei insbesondere der Besuch des Abbotsford Castle, dem einstigen Wohnsitz von Sir Walter Scotts, des neben Schiller und Shakespeare das Idol Fontanes war.
Allerdings stellt „Jenseit des Tweed“ keineswegs einen bloßen Reiseführer, eben der damaligen Zeit, dar. Auf die detaillierte und oft humorvolle Beschreibung der Eindrücke, die vor allem die einzelnen Sehenswürdigkeiten, aber auch Begegnungen mit Hochlandbewohnern, beziehungsweise das Clanwesen im Allgemeinen oder der Art des Reisens (Kutsche, Dampfschiff,…) bei Fontane hinterließen, folgt in der Regel eine einprägsame Landschaftsschilderung. Den Abschluss bildet meist eine historische Anekdote oder Sage. Die Schilderung wird also in die Erzählung von all dem, was bereits der Vergangenheit angehört, aufgelöst, wodurch neue Aussagen und Deutungsmöglichkeiten, wie zum Beispiel gelegentliche Gesellschaftskritik, eröffnet werden.
Und obwohl Fontane ein relativ industrialisiertes und kommerzialisiertes Schottland vorfindet, das meist im Gegensatz zu seinem Vorhaben, eine Reise in eine romantisch verklärte Vergangenheit zu machen, steht, und er oft zu verstehen gibt, dass er deshalb oft Enttäuschung oder zumindest Ernüchterung empfindet, ist er von der Landschaft und den
historischen Schauplätzen fasziniert.
Mein persönliches Fazit: Für alle, die den Stil Fontanes mögen und noch dazu interessiert in Schottland oder historischen Begebenheiten sind, ein absolutes Muss!