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Ernährungsrekonstruktion dreier mittelalterlicher Bevölkerungen anhand der Analyse stabiler Isotope

Summary rating: 4 stars 3 Kritik
Zusammenfassung von : Mumpel
Besucher : 628  Wörter: 600   Veröffentlicht am: Juli 05, 2006
Ziel dieser Arbeit war es die Ernährungsstrategien sowie
Lebens- und Umwelt­bedingungen von mittelalterlichen Bevölkerungen in
Deutschland anhand der Analyse stabiler Isotope und Spurenelemente zu
rekonstruieren. Untersucht wurden Skelettserien aus Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Da solch eine Untersuchung bisher fehlte, wurden 20
Erwachsene und ca. 15 - 21
Kinder sowie Tierknochen aus jeder Population ausgewählt. 15 Spurenelemente
(As, Cd, Co, Pb, Ni, Cu, Al, Sr, Zn, Mg, Fe, Mn, ca und P) und die stabilen
Isotope von Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff wurden analysiert. Der
Vergleich der Unterschiede zwischen den ländlichen und städtischen Populationen
erlaubte es, qualitative und quantitative Unterschiede in der Ernährung zu finden
und Umgebungseinflüsse auszumachen.

Nach einer Rekonstruktion der allgemeinen
Ernährungsgrundlage interessierte beson­ders die Frage, ob geschlechts- oder
altersspezifische Unterschiede in der Ernäh­rungsweise bestanden haben. Ein
weiterer Fokus dieser Forschung war die Bestimmung des Abstillalters und die
Belastung bedingt durch Schwermetalle.

Kollagen ist ein Langzeitindikator der auf­genommen Proteine
der Nahrung, da es im lebenden Organismus nur alle 10 bis 30 Jahre vollständig
umgebaut wird. Der komplette Umbau des Karbonats dauert dagegen etwa 7 bis 10
Jahre. Im Gegensatz zum Kollagen, welches nur den Proteingehalt der Nahrung
reflektiert, repräsentiert das Karbonat die gesamte aufgenommene Nahrung eines
Individuums. Die Analyse von Spurenelementen aus dem Knochen­mineral diente der
Untermauerung der gewonnenen Rückschlüsse auf die Nahrung aus dem Kollagen und
Karbonat.

Da die d15N-Werte
des Konsumenten in der Regel 3 – 4 ‰ schwerer sind als die seiner Nahrung,
kann rekonstruiert werden, welche Nahrungsgruppen ein Individuum konsumiert
haben könnte. Diese Anreicherung zwischen den Trophiestufen ist bei den d15N-Werten
höher als beim Kohlenstoff. So zeigt sich im Vergleich von Konsument und
Nahrung zwischen den d13C-Werten
nur ein Unterschied von ca. 1 ‰.

Die d13C-Werte
spiegeln in allen drei Orten einen ausschließlichen Konsum von C3-Pflanzen
wider. Die d15N-Werte
aus dem Kollagen der unter­suchten Proben aus der Stadt Bernau deuten auf eine
Ernährung mit einem hohen Fleischanteil hin.

Die Männer und Frauen aus Tasdorf wiesen deutliche
individuelle Differenzen in ihrer Ernährung auf. Der Verzehr von tierischem
Protein war hier nicht besonders häufig. Auch für Usedom an der Ostsee zeigt
sich eine hohe Variabilität. Interes­santerweise kann hier allerdings marine
Kost als Hauptnahrungskomponente ausgeschlossen werden. Anscheinend ernährte
man sich in Usedom mehr durch Ackerbau und Vieh­zucht als durch Fischfang.

Laktierende Säugetiere produzieren diesen oben beschriebenen
Trophiestufeneffekt gewissermaßen im eigenen Organismus, so dass Milch und
Milchprodukte durch besonders hohe 15N-Werte ausgewiesen sind. Wenn
ein Kind vollständig abgestillt ist, sind seine d15N-Werte
fast vollständig identisch zu denen seiner Mutter, was auf eine gleichartige
Ernährung hindeutet. So kann der Entwöhnungszeitpunkt der Kleinkinder
festgestellt werden. In Bernau erfolgte das Abstillen im Alter von ungefähr
zwei Jahren. Im Dorf Tasdorf erfolgte die Entwöhnung ein wenig später, ungefähr
im Alter von zweieinhalb Jahren und in Usedom gab es die längste
Entwöhnungsphase: Säuglinge wurden bis zu drei Jahren und länger gestillt.

In dem Mineralanteil von Knochen und Zähnen ist Sauerstoff
sowohl in den Karbonaten, als auch in den Phosphaten präsent. Die Sauerstoff
Isotopenraten (d18O) in
meteorischem Wasser variieren mit dem Klima und in den meisten Regionen
existiert ein enges Verhältnis zwischen d18O
und der Temperatur. Niedrigere Temperaturen, die einen geringeren d-Sauerstoff-Isotopenwert
im Körper verursachen, sind bei den meisten Säugetieren direkt korreliert mit
dem Trinkwasser. Die d18O-Werte
der Usedomer Bevölkerungsind niedriger als die der Tasdorfer und Bernauer
Bevölkerung, was auf ein kühleres Klima in Usedom als in Tasdorf oder Bernau
hindeutet. Diese Differenzen könnten auf eine allmähliche Klimaveränderung
hindeuten oder mit der geographischen Lage der Fundorte zusammenhängen.

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