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China.Eine Weltmacht kehrt zurück; Goldmann Verlag;München 2006

Summary rating: 5 stars 40 Kritik
Autor : Konrad Seitz
Summary by : Egmont
Besucher : 1112  Wörter: 600   Veröffentlicht am: Juli 12, 2006
Konrad Seitz: China. Eine Weltmacht kehrt zurück, Goldmann Verlag, München 2006, 484 Seiten, 11,95 Euro, ISBN 978-3-442-15376-3.

Vor hundert Jahren war China erstarrt, wehrlos, arm, ein gedemütigter Tanzbär, den europäi­sche Kolonialmächte an der Nasenschnur hielten. Ehemals hatte das „Reich der Mitte“ ganz Ostasien dominiert, Europa kulturell und technologisch überflügelt. Heute kehrt der Gigant zurück, stärker denn je.

Dieses Sachbuch garantiert enorme Spannung und bietet reichhaltige Information. Kon­rad Seitz arbeitete zwölf Jahre für das deutsche Außenministerium. Ohne abzuschweifen, ver­knüpft er Tatsachen und kluge Analyse, synthetisiert Vergangenheit und Ge­genwart.

Noch lebte Kolumbus nicht, da fuhren große chinesische Schiffe bis Afrika und erreichten sogar das rote Meer. „Sanft“ beherrschte China die fern­östliche Region, organisierte einen Handel, der allen Vorteile brachte, anders als Europäer es taten.

Papier, Buchdruck, Kompass, Schießpulver erfanden zuerst Chinesen. Lange Zeit ging China auch bei Agrar­wis­senschaften, Eisenfertigung und Schiffbau voraus, während Eu­ropa selbst­mörderische Kriege führte.

Dann aber folgte der jähe Absturz. Seit 1430 zerstörten die Ming-Kaiser ­seetaug­liche Schiffe, wichtige Techniken gerieten in Vergessenheit, und China, völlig isoliert, stürzte kraftlos nieder, sobald arrogante Europäer gewaltsam die leere Bühne betraten, um das er­lahmte Reich ins steinharte Joch zu pressen.

Chinas Aufstieg und Krise, legt Seitz dar, verantwortete gleichermaßen Konfuzius, der China ethisch formte. Harmonisch wie eine Familie sollten die Chinesen leben. Klerus und Erbade­l gab es nicht; die euro­päische Idee des Fortschritts kannte niemand. Fast jeder Chi­nese strebte moralischen Idealen der Ver­gangenheit nach. Zwanzigtausend Mandarine, konfu­zianisch gebildet, die „Ordnung und Harmonie“ predigten, lenkten und regier­ten.

Der deutsche Philosoph Leibniz sah in China die höchste Zivilisation realisiert. Aber Kon­fuzius tradierte zwiespältige Weisheiten, denn er verordnete eine Gemütsruhe, die China wehrlos machte.

1842 zwangen britische Kolonialherren den Mandschu-Kaiser, Opium zu im­portie­ren. Das Shanghaier Ausländerviertel durften „Hunde und Chinesen“ nicht betreten. China, alt und mürbe, erlag der „westlichen, fausti­schen Kul­tur“.

Europäische „Aufklärung“ ermöglichte unter Sun-Yatsen einen mühseligen Neube­ginn. Mao „sinisierte“ marxistische Theorien und erhob die Bauern zum revolutio­nären Subjekt, ver­ursachte aber Hungerkatastrophen, Isolation, Armut, tyrannisierte sein Volk. Die „Kulturre­volution“ der roten Mandarine diskreditierte kommunistische Ideen und verwüstete China auch geistig.

Deng Xiaoping vollzog marktwirtschaftliche Reformen. Seither ist China eine „Entwick­lungsdiktatur mit kommunistischer Fassade“. Ökonomische Dynamik kennzeichne das auto­ritäre Regime des Jiang Zemin; er fördert Pri­vatunternehmer und beendete Maos Abschot­tung. In China blühe und gedeihe die zweit­stärkste Volkswirtschaft der Welt. Schon jetzt gebe es mehr chinesische als japanische Ingenieure. 1,2 Milliarden emsige Chinesen klopfen an das europäi­sch-amerikanische Tor.

Allerdings plagen schwere soziale Krankheiten das Land – Ar­beitslosigkeit, Inflation und hor­rende Umweltzerstörung. Nicht nur wirtschaftliche Ef­fektivität interessiere die chinesische Regierung, sondern sie belebe den alten Reichspatriotismus. Irrlichtert Peking zwischen Tra­dition und westlicher Modernität? Langfristig könne China zur Demokratie finden.
Egmont

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