Vergleich der Texte "Die schöne Krämerin" von Johann
Wolfgang Goethe und "Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre" von Hugo von Hofmannsthal Die Texte "Die schöne Krämerin" von Johann
Wolfgang Goethe und "Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre" von Hugo von Hofmannsthal weisen große Ähnlichkeiten auf,
nicht nur weil Hofmannsthal die Anekdote, die bei Goethe in Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten zu lesen ist, als Vorlage
für seine Erzählung benutzt, sondern
ganze Sätze oder sogar Abschnitte aus dem Text von Goethe übernimmt. Trotzdem
kann man seinen Text noch lange nicht als ein Plagiat bezeichnen. Hofmannsthal
baut die Geschichte aus, bereichert sie, verleiht ihr eine neue Atmosphäre und
weicht an vielen Stellen von der Vorlage ab. Diese Abweichungen sollen eine
bestimmte Wirkung bei dem Leser erzeugen. Hofmannsthal hatte keine simple
Nacherzählung des Textes von Goethe im Sinn, als er seine Erzählung geschrieben
hatte.
Bei Hofmannsthal
bilden die spätwinterliche Atmosphäre und das Pestmotiv einen wichtigen
Hintergrund für das Liebesabenteuer. Die Pest wirkt bei ihm bedrohlicher und
grausamer als bei Goethe, wodurch er einen größeren Kontrast zu der Liebesnacht
schafft. Die Liebesbeziehung zwischen dem Marschall von Bassompierre und der
schönen Krämerin gewinnt an Stärke, Einmaligkeit und Außergewöhnlichkeit,
bekommt einen Zauber, der der Liebesbeziehung in der Anekdote von Goethe fehlt.
Die Beschreibung
der ersten Liebesnacht macht einen bedeutenden Teil der Erzählung von
Hofmannsthal aus. Um die Leidenschaft des Marschalls und der Krämerin zu
schildern, bedient er sich Symbolen des Apfels und des Feuers. Das eigentliche
Liebesgeschehen spiegelt sich bei ihm in dem Spiel der Flammen wider.
Die Krämerin
bleibt bei Hofmannsthal wie bei Goethe namenlos, aber sie ist nicht nur eine
schöne und reizende Frau. Sie ist geheimnisvoll, rätselhaft, stolz, stark und
gefühlvoll. Auch wenn sie sprachlos bleibt, gibt Hofmannsthal ihre Gefühle
wieder, indem er ihre Gesten und Mimik beschreibt.
Hofmannsthal
führt auch weitere Figuren hinzu: die Kupplerin, die im Kontrast zu der schönen
Frau steht, und den Ehemann der Krämerin, der nicht seiner Frau würdig ist,
aber den Marschall von Bassompierre mit seinem Stolz und Erhaben zu überlegen
sein scheint. Darüber hinaus verleiht Hofmannsthal Bassompierres Diener ein
Gesicht, weil er in seiner Erzählung von Bedeutung ist und die Liebesnacht
vorbereitet.
Hofmannsthal
erweitert die Geschichte jedoch nicht nur inhaltlich. Seine Erzählung ist voll
mit Bildern, wodurch sie sehr metaphorisch und poetisch im Vergleich zu dem
eher sachlichen Stil Goethes wirkt.
Mehr Zusammenfassungen über »Das Erlebnis des Marschalls von Bassompierre«