Wer im Laufe seines Germanistik- oder
Linguistikstudiums einmal auf den einfältigen Gedanken kommt,
sich
nicht mehr nur ausschließlich mit Grammatiken für den
Schulunterricht oder Kommunikationsmodellen zu beschäftigen, der
wird schnell feststellen, das es zwar eine ganze Reihe von Themen
gibt, die man bearbeiten könnte, die Literatur dafür
allerdings dünn gesäat und überwiegend in englischer
Sprache geschrieben ist. Eines dieser Themen ist die
Computerlinguistik, und die einzige brauchbare, einführende,
deutsschprachige Literatur zu diesem Thema, die ich bisher gefunden
habe stellt „Computerlinguistik und Sprachtechnologie“ dar. Die
einzige, die sowohl verständlich als auch wissenschaftlich ist.
Was ist überhaupt
Computerlinguistik?
Computerlinguistik beschäftigt
sich im Wesentlichen mit dem Bau und der Verwendung von natürlichen
Sprachen (wie die Linguistik im Allgemeinen auch) und erweitert die
klassische Sprachwissenschaft um das Anwendungsfeld
„Sprachanwendungen“ (also Computerprogramme für die
Verarbeitung natürlicher Sprachen). Darunter fallen Anwendungen,
wie Übersetzungsautomaten, Information Retrieval Systeme,
Wortschatz- und Rechtschreibkorrekturprogramme oder
Sprachlernprogramme, die im besprochenen Buch anschaulich und mit
Beispielen erklärt werden. Die Computerlinguistik stellt als
Diziplin eine Brücke zwischen der klassischen
Sprachwissenschaft, die
eher im schulischen Kontext Anwendung findet,
und einem eher technologischen Blick auf natürliche Sprache und
deren Verwendung. Ein Blick, der zum Teil aus den Anfängen der
Informatik (theoretische Informatik) stammt. Dementsprechend
gestalten sich die Anforderungen an den Studenten, der sich mit
Computerlinguistik befassen möchte. Der Bereich Logik und
Mathematik haben ein eindeutiges Übergewicht, diesem Umstand
trägt das Buch Rechnung, indem es diese Bereiche ausführlich
in den „formalen Grundlagen“ einführt. Der unverdorbene
Leser wird sich zweifellos an seine mehr oder minder gute Zeit im
Mathematikunterricht erinnert fühlen, mit „Sprache“ hat das
vordergründig nicht mehr viel zu tun. Man merkt sehr schnell,
welche Rolle dem Computerlinguisten zugedacht wird. In einem
Softwareprojekt könnte er als Mittler dienen, zwischen technisch
denkenden und Mitarbeitern mit linguistischem Hintergrund. Der
Student sollte also in jedem Fall an beiden Seiten interessiert sein
und vielleicht über Programmierkenntnisse verfügen (nicht
zwingend notwendig. Erleichtert den Umgang mit der Thematik
allerdings enorm.)
Das Buch selbst richtet sich meines
Erachtens nicht an Anfänger in Sachen Linguistik. Gute
Grundkenntnisse in diesem Bereich sind sicher sinnvoll, um von diesem
Buch nicht frustriert zu werden. Prädikatenlogik,
Turing-Maschine etc. fordern ihn vermutlich mehr als genug, das
linguistische Grundwissen sollte als schon parat sein, um sich auf
die neues Aspekte stürzen zu können. Der Student, der sich
von der technischen Seite her nähert (und vielleicht in einem
Informatikstudium steckt), wird einige Aspekte dieses Buches als
trivial empfinden, vielleicht als Auffrischung längst bekannten
Wissens.
Schön ist, dieses Buch ist
allgemein verständlich geschrieben. Die überwiegende Zahl
fremdsprachlicher Ausdrücke wird ausreichend erklärt, die
theoretischen Grundlagen erschöpfen sich nicht in
Formelfeuerwerken und Endlostabellen. Einige Beispiele lassen sich
leicht zu kleinen Übungsaufgaben umbauen, sodaß man sich
auch ganz gut selbst schulen kann. Für jemanden, der in seinem
Sprachstudium oft darüber nachdenkt, was er mit diesen
unhandlichen Modellen und Theorien, die er vermittelt bekommt,
tatsächlich anfangen kann, dem sei dieses Buche empfohlen. Es
erweitert den eigenen Horizont und läßt vieles plötzlich
brauchbar erscheinen, was man vorher nur als Gedankenexperiment
wahrgenommen hat. Vielleicht inspiriert es auch zu neuen
Berufswünschen oder Tätigkeitsfeldern, die der Student insAuge fäßt.
Der Preis von 40€ ist happig, der
Besuch einer Bibliothek also angeraten.
Mehr Zusammenfassungen über Computerlinguistik und Sprachwissenschaft. Eine Einführung.