Schillers Schädel – das Geheimnis
Die Glocken läuteten Mitternacht,
als ein billiger Sarg am 12. Mai 1805 durch die menschenleeren Straßen Weimars
getragen wurde. Darin lag der schnell verwesende Körper Friedrich Schillers,
des Dichters, Philosophen, Historikers, Dramatikers und Rebellen, der drei Tage
früher gestorben ist. Der Sarg
wird auf den lokalen Jacob-Friedhof getragen, wo
die Leiche ohne Zeremonie in einem ganz gewöhnlichen Grab „ohne milden Klang
der Musik und ohne ein Wort eines Priesters oder Freundes“, so Thomas Mann
1955.
Das schnelle Begräbnis entsprach
nicht der Bedeutung eines der größten deutschen Dichter. 1826 wurde das
Massengrab geöffnet, um Schiller ein seiner Person angemessenes Begräbnis zu
organisieren, aber der Körper war bis zur Unkenntlichkeit verwest. Unter den 23
entdeckten Schädeln Schillers Schädel zu erkennen, grenzte an Unmöglichkeit:
Die bedeutenden Persönlichkeiten Weimars suchten einfach den größten Schädel
aus. Schillers Freund Johann Wolfgang Goethe nahm ihn später mit nach Hause.
Ein anderer angeblicher Schillers Schädel kam ins Museum.
Welcher von den beiden war aber
tatsächlich Schillers Schädel? Wissenschaftler wollen das Geheimnis lüften. Sie
vergleichen die zwei Schädeln entnommene DNA mit der DNA des zweiten Sohnes von
Schiller, Ernst Friedrich Wilhelms, der am 19. Juli in Bonn exhumiert wurde.
„Endlich wird sich herausstellen, welcher der beiden Schädel Schiller gehörte –
oder ob vielleicht keiner der beiden Schillers Schädel ist“, sagt die
Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen aus Freiburg.
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