Warum sind so viele junge Leute mit ihrer Elternrolle überfordert? Wer
heute morgen die regionale Tageszeitung, „ Der Patriot“,im Kreis Soest aufschlug, dem fiel sofort ein Bericht mit dem Titel, „Der Kleine soll endlich aufhören zu schreien“, ins Auge. Hier wurde über eine neunzehnjährige junge Mutter berichtet, die nach einer durchwachten Nacht ihren Säugling in den frühen Morgenstunden des 22.Juni 2006 zu Tode schüttelte. Die junge Frau hatte die Nacht gemeinsam mit ihrem Freund vor dem Fernseher verbracht. Als der Kleine dann morgens beim Füttern schrie, rastete sie völlig aus und schüttelte ihn so heftig, dass er an einem dadurch ausgelösten massiven Hirnödem und einer Blutung unter der Hirnhaut starb. Der regionale Sender „Hellwegradio“ berichtete ebenfalls von dieser Tat und der gestrigen Gerichtsverhandlung in Paderborn. Die junge Frau wurde wegen Körperverletzung mit Todesfolge und Misshandlung Schutzbefohlener zu vier Jahren Gefängnis verurteilt.
Nicht erst seit heute erfährt der Leser und Hörer, von Kindern, die von ihren eigenen
Eltern misshandelt, gequält, verhungert und verdurstet sich selbst überlassen oder aber sexuell missbraucht
werden. Die Frage, wie es soweit kommen konnte, drängt sich immer wieder auf. Politiker, wie Frau Von der Leyen, versuchen durch Elterngeld und Elternzeit junge Familien zu unterstützen. Noch nie gab es soviel öffentliche Hilfen und Angebote, durch die Familien mit Kindern Unterstützung erhalten können, wie in heutiger Zeit.Schwangerschaftsgymnastik, Säuglingspflegekurse, neu eingerichtete Familienzentren, Erziehungsberatungsstellen, außerschulische Betreuung, Übermittagsbetreuung in Kindergärten und Schulen, Ergotherapie, Logopädie, Kindergeld und Ausbildungsbeihilfe, sind Angebote, die Eltern zur Verfügung stehen und je nach anfallendem Problem mit dem Nachwuchs, genutzt werden können. Die Generation unserer Eltern und Großeltern, konnte auf solche Angebote bei der Erziehung und Pflege ihres Nachwuchses nicht zurückgreifen. Dennoch sind oben beschriebene extreme Ausrasterreaktionen aus dieser Zeit kaum bekannt. Schreiende Kinder hat es damals, wie heute gegeben. Mütter und Väter, die genervt waren gab es ebenfalls. Doch richtete man damals sein Leben auf ein Zusammenleben mit der Familie aus. Man lebte mit seinen Kindern , nahm an ihrem Leben teil und ließ sie am eigenen Leben teilnehmen. Eltern fühlten sich in diesem Miteinander ausgefüllt. Sie identifizierten sich besonders in der Zeit, in der die Kinder klein waren, mit ihrer Elternrolle. Dieses fiel ihnen durch eine Sozialisation leicht, während der sie eine mehr oder weniger große Wertschätzung der Elternrolle erfuhren. Wo bleibt eine solche Wertschätzung in unserer Gesellschaft? Ein Blick auf die Medienwelt führ uns eine Welt vor, in der es als erstrebenswert gilt, beruflich erfolgreich zu sein, sich in seiner Freizeit selbst zu verwirklichen und möglichst lange jung und fit zu bleiben. Kinder werden hier nahezu völlig ausgeklammert. Sie sind bestenfalls werbewirksames Beiwerk, wenn es um das Anbieten einer Versicherung geht oder um das enorm große Raumangebot eines Kraftfahrzeugs.Hier möchte ich an die Verantwortlichkeit der Medien appellieren. Ihr Einfluss ist besonders groß bei jungen, durch Arbeitslosigkeit, von der Gesellschaft oftmals ausgegrenzten Leuten, die täglich viele Stunden vor dem Fernseher verbringen. Wo findet sich eine junge Frau wieder, die wie Millionen andere auch, ohne Chance auf eine Lehrstelle, in einer Leistungsgesellschaft lebt, in der nur derjenige angesehen ist, der schulisch und beruflich beste Erfolge erzielt? Ist hier nicht oft eine willkürlich herbeigeführte, frühe Schwangerschaft Mittel zum Zweck? Hier wird doch bewusst oder unbewusst nach dem Motto gehandelt: “ Wenn ich schon sonst nichts sein kann, dann kann ich wenigstens Muter sein.“ Schuld an der schrecklichen Tat der Neunzehnjährigen Lippstädterin trägt somit ganz bestimmt nicht nur sie alleine. In dieser Gesellschaft muss eine neue Wertschätzung der Familie und insbesondere der Elternrolle erfolgen und bewusst propagandiert werden, um derartigen Überforderungsreaktionen vorzubeugen.
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