Kein anderer als die Benetton-Werbegröße Oliviero Toscani hat wieder einmal
Italien entzweit. Seine neue Werbung für die
italienische Bekleidungsfirma Ra-re zeigt zwei Männer, die sich küssen. In einer
anderen Plakatversion sitzen sie gemeinsam auf dem Sofa und der eine greift dem anderen zwischen die Beine. Realität oder Provokation? Wie schon damals während seiner Mafia-Werbung und seiner Aids-Werbung, beides für die italiensische Modefirma Benetton, hat Toscani es geschafft, die Menschen in wilde Diskussionen zu verwickeln. „Wir respektieren die sexuellen Neigungen eines jeden, aber wie sollen wir das unseren Kindern erklären? Viele Eltern wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen“, erklärt Lucia Moreschi vom Movimento difesa del cittadino (dt.= Verband zur Verteidigung des Bürgers). Ein Verbot für diese Werbung will der italienische Elternverband erreichen. „Es geht nicht um die zwei Männer“, erklärt Mitarbeiterin Elisabetta Scala. „Es geht um die Geste, die wirklich sehr skandalös ist.“ Die „Geste“ ist allerdings nicht neu. Kein anderer als Italiens Export-Schauspieler Nummer Eins, Roberto Benigni, hat sie während der bekannten
italienischen Musikgala Sanremo 2002 eingeführt. Spasseshalber hat er dem Moderator Pippo Baudo in den Schritt gegriffen. Eine Geste, die von vielen anderen Schauspielern und VIPS gerne kopiert wurde und die keiner in Italien skandalös fand. Wie das wohl die Eltern ihren Kindern erklären? „Vor allem sollen die Eltern erst einmal die Rolle der Frau im italienischen Fernsehen erklären“, so Damien O’Farell. Der 40-jährige Marketingleiter wohnt schon seit Jahrezehnten in Rom und hat sich immer noch nicht an das bigotte Verhalten der Italiener gewöhnt. „Was die homosexuelle Welt angeht, lebt Italien im dunkelsten Mittelalter“, so der gebürtige Ire und bekennende Homosexuelle. „Wie wollen Eltern den Kindern denn die im Fernsehen herumspringenden halbnackte Frauen erklären, die zum Teil so übertrieben provozierend sind, dass man den Eindruck bekommt, sie seien Prostituierte?“ Die Schwulenverbände sind glücklich und Oliviero Toscani freut sich über die Kritik. „Ich mache das, was ich will und es interessiert mich nicht, wer damit einverstanden ist oder nicht“, sagte der Ex-Benetton-Fotograf gegenüber den italienischen Medien. „In dieser Welt von Tauben und Stummen, ohne jegliche Fantasie, sollten die Eltern die Gelegenheit ergreifen, um ihren Kinder zu erklären, was wirklich in der Welt vorgeht“, so Toscani. „Vielleicht bemerken sie ja, dass ihre Kinder mehr wissen als die Eltern selbst.“
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