Drei Mal Stunde Null? 1949-1969-1989.
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Veröffentlicht am: Dezember 05, 2007
Für einen durchschnittlichen Beobachter
des politischen Geschehens scheinen die letzten 50 Jahren von unvergleichbaren
Bedeutung zu sein. Vor allem für die ältere Generation, die von Schicksal der
einen oder sogar zwei Kriegen bestimmt wurde, verdient der sich verzogene
Wandel der deutschen Außen- und Innenpolitik gewürdigt zu werden.
Ohne
diese Ereignisse würde heute Deutschland und auch demzufolge Europa anders
aussehen. Es könnte die Geschichte der Suche nach Balance und Macht wiederholt
werden. Die Nachkriegsgeneration verstand die neue Lage als eine Chance, als
eine Möglichkeit sich zusammen zu finden und nach Winston Churchills Worten
eine neue Freundschaft zwischen den Völker zu schließen. Die Entscheidung zur
Freundschaft statt Feindschaft scheint für späteren Generation
selbstverständlich zu sein, aber damals galt als ein revolutionäres,
historisches Faktum.
Der
Neubeginn bedeutet gleichzeitig Kontinuität sowie auch Diskontinuität. Ohne
diesen beiden Faktoren wird das Gegenwärtige unklar und unvorstellbar. Vielleicht
bleibt die Geschichte wahrhaftig ein verborgenes locus, in dem man sich selber,
eigenes Leben und Handeln verstehen vermag. Aber ob das Nachdenken an das
Geschehene eine sinnvolle und zielstiftende Zukunft zu garantieren ermöglicht,
scheint für Moderne fraglich zu sein. Vielleicht wäre jedoch behilflich einen
Blick auf die Vergangenheiten zu werfen, damit man sich selbst nicht vergisst.
Dieses „man-sich-vergessen“ soll jedoch anders verstanden werden. Es soll das
Bewusstsein der eigenen Kultur, der eigenen Sprache und Identität beinhalten.
Aus der Kultur heraus vermacht man, die Komplexität eigener Tradition zu
bewähren und das Unwichtige von das Wichtigste zu trennen und ad acta
abzulegen. Wobei wäre es wichtig – erstens - eine Unterscheidung zu machen, was
unter der Kategorie der Un- und Wichtigkeit fällt und - zweitens - wer solchen
Wahl treffen soll. Auf jeden Fall kraft der subjektiven Empfinden der Politik
sind für damaligen Bundespräsident drei Datum wichtig: 1949, 1969, 1989.
Drei Eckdaten sollen die Geschichte des
Landes geprägt haben. Natürlich könnte man die Akzenten anders liegen. Es ist
gerade bestritten, ob 1969 statt 1968 als Nullpunkt ernannt werden soll. Aber
dem Autor geht vor allem um den politischen Inhalt der Jahren, die nicht nur
die deutsche Geschichte prägten, aber das Schicksal Europas bestimmt haben.
Heute, kurz vor bevorstehenden nächsten Stunde Null - diesmal bezüglich des
europäischen Kontinents, die durch die neu Verfassung bestimmt wird, muss
prinzipiell darum gehen, die Chance zu erkennen und richtig zu handeln, obwohl
das vergleichbare Muster nicht gegeben worden ist.
Es war genauso am Anfang der deutschen
Republik. Man konnte nicht ahnen, wohin dieser Weg führt. Aber es gab eine
Entschlossenheit sowie der Politiker als auch der Menschen, trotz Unsicherheit,
Müde oder sogar Angst vor nächsten Experimenten, sich auf den Weg zur Freiheit
zu begeben. Darauf wurden die Hoffnungen aufgebaut. Darauf wurde Anfang
begonnen. Man erhoffte für sich ein besserer Beginn. Für Republik kam er mit
dem Bonner Grundgesetz und Marktwirtschaft. Dazu kamen die ersten Versuche
europaweit ein gemeinsames
wirtschaftliches Raum zu errichten und Deutschland daran zu binden.
Dieser Versuch hat eine Ordnung für die ganze nachkriegszeitliche europäische
Geschichte festgelegt; ohne diese wäre eine politische Gestaltung des
europäischen Kontinents nicht denkbar gewesen.
Das Jahr 1969 soll eine weitere Stunde
Null bedeuten. Vor allem ist hier die Ostpolitik gemeint. Die Welt und Europa
der 60er Jahren ersehnte nach Freiheit, nach Politik der Entspannung und
garantierten Sicherheit. Die Rede ist hier von Kennedys Ära und von ersten
vorsichtigen Versuchen, die damalige Sowjetunion in verschiedenen politischen
Planen anzubinden. Hier war die Kontinuität nicht gegeben, die historische
Diskontinuität hatsich angeboten. Nach buntem Jahr 1968, das als einen
Aufstand gegen die kleinbürgerlichen Formen der existierenden Gesellschaft im
Westen verstanden wird, kam in der deutschen Politik zu weitgehenden in ihren
Konsequenzen Umbrüchen. Die neue Willy Brandts Regierung fing mit neuer
Ostpolitik. Als erste hatte Polen davon profitiert. Aber auch Polen war das
erste Land, das zu Deutschland nach dem Krieg sagte, „vergeben, und bitten um
eine Vergebung“. Deutsche Bischöfe haben damals mit einer Antwort gezögert.
Politisch hatte die Regierung Brandts erste Schritte gemacht, die heute zur
wichtigsten politischen Entscheidungen zwischen Polen und Deutschland gehören.
Der Kniefall vor Warschauer Denkmahl war ein deutliches Symbol der inneren
Suche nach einem Neubeginn. Demzufolge wurde die Grenze an Oder-Neiße
anerkannt. Mit dem unterzeichneten Vertrag fang ein Prozess an, die
schmerzhafte Erfahrung auf beiden Seiten
zu überwinden. Das Ende des bisherigen Handels hatte eine neue Chance
gegeben, im Geist der Verständigung zu denken und handeln. Das bedeutete vor
allem ein Abschied von Politik der Unstabilität und historischen Konflikten. Diese beschriebene Stunde liest man
wahrscheinlich am gernsten. Die eigene Erfahrungen und Empfinden können mit
Erlebnissen der Einigungspräsident konfrontiert werden. Die Perspektive ist
natürlich anders. Im Buch dominiert eher ein Bild „von oben“, das global die
zerspaltete Fragmenten der politischen Wahrnehmen der Bürger von zwei
verschiedenen Staaten zu darstellen versucht. Ein anderes Bild wäre „ von
unten“ sicherlich angebracht. Hierbei würde vielleicht deutlicher die Situation
eines ex-DDR Bürgers wahrgenommen, den sich plötzlich in einer anderen Welt
aufwachen wollte oder musste und der viele Zeit gebraucht hat, sich in einer
neuen Ordnung abzufinden. Diese Erfahrungen sind viel intensiver für andere
Bürger der Länder des damaligen Ostblocks, die nie solche wirtschaftliche,
moralische und ökonomische Unterstützung bekommen haben, wie Bürger in
damaligen DDR, was eben der Autor erwähnt.
Als Fazit soll gesagt werden, dass
dieses Buch die Weisheit der politischen Engagement zu überliefern versucht.
Manche können in dem ein Vermächtnis an andere Generation der Politiker sehen.
Aber das Buch bleibt vor allem Buch
nicht die bloße Erzählung vom Geschehenen. Es ist eher ein Versuch, die nächste
Stunde Null zu gestallten. Diese wird nicht nur Deutsche betreffen, aber alle,
die Europas Zukunft bestimmen: „Europa ist unterwegs, sich selbst zu finden“.
Wie geht alles weiter, hängt nicht mehr von denen ab, die Europa in letzten
zwanzig Jahren gestaltet haben. Deutschlands Zukunft ist europäisch, das heißt
in Rahmen der Europäischen Union, die langsam aber hoffnungsvoll eine föderale
Gestaltung zunimmt. Seit dem gibt es nicht mehr den deutschen Sonderweg,
sondern gemeinsame europaweit Anstrengung, der Welt Friede, Sicherheit und
Gerechtigkeit zu gewähren.