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Der Schlitzer (La Casa sperduta nel Parco)

von : sardonicus    


Mit “Der Schlitzer” erweist Ruggero Deodato, der berühmt-berüchtigte Regisseur von „Cannibal Holocaust“,
dem Klassiker „Last House on the Left“ seine Reverenz. Dieser Film aus dem Jahre 1979 ist wahrscheinlich der unterhaltsamste aus einer ganzen Reihe ähnlicher Imitate, wenn auch nur aus dem einen Grund, dass David Hess den Oberschurken mit besonderem Gusto spielt. Obwohl am Anfang einige Aufnahmen aus New York City zu sehen sind, wurde der Film fast ausschließlich in Rom gedreht.
David Hess, der mit seiner Darstellung des Krug in “Last House” Filmgeschichte geschrieben hat, spielt hier Alex, einen extrem gewalttätigen und psychotischen Mechaniker mit einer Vorliebe für Rasiermesser und Vergewaltigung. Wir begegnen ihm zum ersten Mal, als er eine Autofahrerin verfolgt, sie von der Straße drängt und sie im Anschluss in ihrem Auto vergewaltigt.
Kurze Zeit später kommt ein neureiches Pärchen in die Werkstatt, in der Alex mit seinem leicht zurückgebliebenen Kumpan Ricky (Giovanni Lombardo Radice, bekannt aus „Cannibal Ferox“) arbeitet. Alex und Ricky sind gerade im Begriff zuzusperren – sie haben sich schon für einen Abend in der Disko fein gemacht -, aber der Fahrer winkt mit einem Bündel Geldscheine und bittet sie, sich sein Auto kurz anzusehen. Irgendetwas ist mit der Elektrik nicht in Ordnung. Nachdem Ricky das kleine Problem gefunden und behoben hat, lädt das Pärchen die beiden Mechaniker zu einer Party ein. Gemeinsam fährt man zu einer noblen Villa in der Vorstadt. Kaum angekommen, macht sich das wohlhabende Paar zusammen mit den übrigen Gästen einen Spaß daraus, die beiden Proleten zum Narren zu halten. Alex kann das gar nicht ausstehen und zückt, nachdem man Ricky beim Pokern über den Tisch gezogen hat, sein treues Rasiermesser. Er wird diesen neureichen Gecken schon noch zeigen, was eine richtige Party ist. Er verriegelt alle Türen und Fenster, und nach einigen anfänglichen Wortwechseln müssen seine Gefangenen eine Nacht voller Beschimpfungen, Demütigungen, sexueller Übergriffe und Gewalttätigkeiten aller Art über sich ergehen lassen. Der von David Hess gespielte Alex ist völlig außer Kontrolle: er schlägt dem Gastgeber das Gesicht zu Brei, uriniert auf einen anderen Mann, nachdem er ihn in den Swimmingpool geworfen hat, und trällert ein Liebeslied, während er einer jungen Frau tiefe Schnitte mit dem Rasiermesser zufügt. In einer Szene, die direkt aus „Last House“ übernommen zu sein scheint, zwingt er zwei Frauen zu lesbischen Spielchen.
Interessant ist die Entwicklung der Beziehung zwischen Alex und Ricky. Während Ricky zu Beginn jeden Befehl seines Kumpans, der Vaterfigur, blind befolgt, entwickelt er im Laufe des Abends ein Gewissen und versucht schließlich sogar, einer der Frauen zur Flucht zu verhelfen, was aber von Alex vereitelt wird. In Anlehnung an Krug und Junior in „Last House“ tötet auch hier der „Vater“ am Schluss den „Sohn“, aber anstatt ihn zum Selbstmord zu zwingen, rammt er ihm hier das Rasiermesser in den Bauch. „Der Schlitzer“ endet mit einer überraschenden, aber wenig glaubwürdigen Wendung. Der Gastgeber holt eine Pistole aus einer Schublade und erklärt dem verblüfften Alex, dass er ihn vorsätzlich ins Haus gelockt hat, um sich für die Vergewaltigung und Ermordung seiner Schwester, der jungen Frau in der Anfangssequenz, zu rächen. Nachdem er Alex erschossen hat (dessen Todeskampf sich ewig lange hinzieht), ruft er völlig gelassen die Polizei, wohl wissend, dass ihm niemand diesen „Mord aus Selbstverteidigung“ zum Vorwurf machen wird.
So abscheulich und brutal Alex auch ist, es macht auf jeden Fall viel Spaß, Hess in seiner Rolle als gewalttätiger, rüpelhafter und hassenswerter Bösewicht zuzusehen. Sein ungehobelter Humor macht „Der Schlitzer“ zu einem Heuler für Menschen mit starkem Magen. Andererseits wäre es wahrscheinlich angebracht, den Film in „Disco Last House“ umzubenennen, denn das Geschehen wird von einem nahezu unerträglichen Euro-Disco-Soundtrack untermalt und die Darsteller tragen knallbunte Kleidung, am auffälligsten dabei wahrscheinlich die kanariengelbe Weste von Alex.
Erinnernswerte Dialoge: Jedes Wort aus dem Mund von David Hess.
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Veröffentlicht am: August 17, 2009
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