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Veröffentlicht am: Juni 08, 2006
ENTFÜHRT
Während
Kriminalbanden im Irak Amok laufen, werden Hunderte Mädchen vermisst. Werden
sie Opfer Sexhandels?
Von Brian
Bennet, Bagdad
Der Mann am
Telefon, der mit der 14-jährigen Irakerin gesprochen hat, nannte sich Sa’ad. Es
war ein Ferngespräch aus Dubai und er erzählte ihr wunderbare Dinge über diesen
Ort. Er wollte sie auch kaufen. Die Jugendliche Safah wusste über das
bevorstehende Geschäft Bescheid. In den Wochen, nachdem sie entführt und in
einem dunklen Haus in Bagdads Mittelstandsviertel Karada gefangen gehalten
worden war, hörte Safah, wie ihre Kidnapper mit Sa’ad über ihren Preis
verhandelten. Dieser wurde endgültig auf 10 000 Dollar festgesetzt. Die Waise
schaute auf den Boden und die dort zerstreuten leeren Whiskeyflaschen und hörte
zu, wie Sa'ad ihr das sie erwartende Leben schilderte: ein wunderschönes Haus,
teure Kleider, Partys mit Popstars. Sie würde ihr Schicksal mit anderen zwei
glücklichen, jungen, in seinem Harem lebenden Irakerinnen teilen. Safah wusste,
dass ihr die Zeit davon läuft. Ein gefälschter Pass mit ihrem Foto und einem
falschen Namen wurde für sie bereits ausgestellt. Auch wenn sie fliehen würde,
hätte sie keine Familie, die sie aufnehmen könnte. Sie würde vermutlich im
Gefängnis enden. Was sollte sie tun?
Safah gehört zu
dem selten behandelten Aspekt der Entführungsepidemie in Irak: Sexhandel. Es
ist unbekannt, wie viele junge Frauen seit dem Sturz des Saddam Hussein 2003
entführt und verkauft worden sind. Irakische Frauensorganisation Organisation
for Women's Freedom in Iraq mit Sitz in Bagdad schätzt anhand Einzelberichten,
dass über 2 000 irakische Frauen in jenem Zeitraum verschwunden sind. Ein
westlicher Beamter in Bagdad, der den Status der Frauen im Irak kontrolliert,
meint, dass diese Zahl überhöht ist. Er gibt jedoch zu, dass Sexhandel, der zu
Saddams Zeiten praktisch nicht vorhanden war, zu einem ernsthaften Problem
wurde. Die Gesetzlosigkeit und fehlende stabile Regierung hat es
Kriminalbanden, unter anderem Terroristen, ermöglicht, Amok zu laufen. Währenddessen
sind laut manchen Helfern die Bürokraten in den Ministerien entweder durch die
Bürokratie erdrückt oder haben das Vermögen der Wohltätigkeitsorganisationen
eingefroren, die diesen Mädchen eine Zuflucht hätten bieten können. Infolgedessen
kann sich Sexhandel unkontrolliert verbreiten.